Argentinien in Südamerika

Die Republik Argentinien ist das südlichste Land in ganz Amerika. Etwas weiter runter gehts auf der Karte als etwa beim Nachbarn Chile. Auf dem südamerikanischen Kontinent ist es das zweitgrößte und im Vergleich zur ganzen Welt das achtgrößte Land. Der Name Argentinien kommt aus der lateinischen Sprache, Argentum bedeutet “Silber”. Amtlich spanisch República Argentina, zweitgrößter Staat Südamerikas. Argentinien erhebt Anspruch auf einen Sektor der Antarktis, die Falklandinseln sowie andere südatlantische Inseln (Südgeorgien, Süd-Shetland-, Süd-Sandwich- und Süd-Orkney-Inseln).

 

Das Land Argentinien

 

Offizieller Name: Republica Argentina
Hauptstadt: Buenos Aires
Größe: 2.780.400km²
Einwohner: 41,9 Mio. (2013)
Zeitzone: UTC -3h
Strom: 220V 50 Hz
Währung: 1 Argent. Peso = 100 Centavos
Sprachen: Spanisch
Größte Städte: Buenos Aires, Cordoba
Angrenzende Länder: Bolivien, Brazilien, Chile, Paraguay, Uruguay
Telefonvorwahl: +54
Religionen: Etwa 94 % Katholiken, 2 % Protestanten, 2 % Juden und 2% andere Religionen

Von diesem Glanz hat Argentinien aber etwas verloren. Im Jahre 1816 wurde das Land unabhängig,  Buenos Aires ist der Name der Landeshauptstadt. Vor allem der Süden und der Nordosten Argentiniens ist recht dünn besiedelt. Argentinien grenzt neben Brasilien auch noch an Chile, Uruguay, Paraguay und Bolivien. Zudem gibt es eine sehr lange Atlantikküste und Gletscher im Süden des Landes. Ein großer Teil der Küste liegt brach und man kann da noch Schnäppchen ergattern, wenn man denn vorhat, in Argentinien zu investieren.

Staatssytem

Nach der Verfassung vom 24. 8. 1994 ist Argentinien eine präsidiale Bundesrepublik. Staatsoberhaupt, oberster Inhaber der Exekutive und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der auf 4 Jahre direkt gewählte Präsident (einmalige unmittelbare Wiederwahl möglich). Er ernennt das Kabinett unter Vorsitz der Kabinettschefs, dessen Handlungsspielraum durch die Bindung an Weisungen des Präsidenten eingeengt ist. Die Legislative liegt beim Kongress, bestehend aus Senat (72 Mitglieder, Amtszeit 6 Jahre) und Deputiertenkammer (257 Abgeordnete, Legislaturperiode 4 Jahre). Einflussreichste Parteien: Partido Justicialista (PJ; Peronisten), Unión Cívica Radical (UCR; Radikale Bürgerunion), Frente para Victoria (FPV) und Alternativa para una República de Iguales (ARI). Argentinien ist verwaltungsmäßig in 24 Provinzen (seit 1994 größere Autonomie), einschließlich des Bundesdistrikts von Buenos Aires, gegliedert.

Landesnatur

Argentinien erstreckt sich von 22 ° südlicher Breite nach Süden über rund 3 700 km bis 55 ° südlicher Breite im Süden von Feuerland und vom Kamm der Anden nach Osten bis zur Küste des Atlantiks (größte Breite 1 577 km). Historisches und wirtschaftliches Kerngebiet ist das fruchtbare Tiefland der Pampa am unteren Paraná und am Río de la Plata, eine weit gespannte, geologisch junge Aufschüttungsebene mit weiten Grasfluren, die nach Norden in die subtropischen Trockenwald- und Buschsavannen des Gran Chaco übergehen.

In das Tiefland zwischen den sumpfigen Stromauen von Paraná und Uruguay (»Zwischenstromland«) reichen im Nordosten bewaldete Ausläufer des Brasilianischen Berglands. Südlich des Colorado schließt sich an die Pampa das bis auf 1 500 m ansteigende, von karger Steppe bedeckte Tafel- und Schichtstufenland Patagoniens an, das mit buchtenreicher, felsiger Steilküste zum Meer abfällt. Im Westen reicht Argentinien bis auf die Höhe der Anden (Aconcagua 6.962 m über dem Meeresspiegel) mit vielen aufgesetzten Vulkanen. Ihnen vorgelagert sind als einzelne isolierte Bergzüge diePampinen Sierren. Zwischen den Ketten der Anden erstrecken sich im Norden wüstenhafte Hochgebirgsbecken (Puna). Wichtigstes Flusssystem ist das des Paraná. – Das Klima ist im größten Teil des Landes gemäßigt, im Norden tropisch. Trockengebiete im Regenschatten der Anden nehmen etwa zwei Drittel des Staatsgebietes ein, der Osten ist niederschlagsreicher.

 

Bevölkerung

Sie ist aufgrund der starken Einwanderung seit etwa 1850 (bis 1970 etwa 8 Mio.) überwiegend europäischer Abstammung (besonders Spanier, Italiener, rund 230 000 Deutschstämmige); kleine Restgruppen von Indianern (rund 40 000) leben im Chaco und in Patagonien, Indianermischlinge (Mestizen, rd. 5 % der Bevölkerung) nahe den Grenzen zu Bolivien, Chile und Paraguay. Die Zahl der Einwanderer geht seit Jahren zurück; die Auswanderung insbesondere qualifizierter Personen nimmt zu. Die Wirtschaftskrise zwischen 1998 und 2002 führte in Argentinien zur größten Rückwanderungswelle seiner Geschichte. Rund 50 % der Bevölkerung leben am Rande der Armutsgrenze; die Arbeitslosigkeit liegt seit Ende 2001 bei fast 20 %. In der Agglomeration Buenos Aires leben rund 34 % der Gesamtbevölkerung. Dagegen beträgt die Bevölkerungsdichte im Süden des Landes (Patagonien) weniger als 2 Einwohner je km2. Der jährliche Bevölkerungszuwachs erreicht durchschnittlich 1,1 %. – Allgemeine Schulpflicht besteht im Alter von 5 bis 14 Jahren. Die Alphabetisierungsrate (2004) wird auf 97 % geschätzt. Der Schulbesuch, einschließlich der Universität, ist kostenlos. Es gibt 38 staatliche und 41 private Universitäten. Die älteste Universität wurde 1613 in Córdoba gegründet. Rund 97 % der Bevölkerung sind Christen (rund 90 % Katholiken, rund 7 % Protestanten). Die rund 200 000 argentinischen Juden bilden die größte jüdische Gemeinschaft Lateinamerika. Die Bevölkerungszahl liegt 2014 bei etwas mehr als 42 Millionen Menschen. Davon haben sich ungefähr 87 Prozent in den Städten angesiedelt. Gute 12 Millionen davon leben im Großraum Buenos Aires. Es gibt Stadtteile, die Villas genannt werden. Da sollte man sich als Tourist fern halten. Es sind keine Villen, sondern Karton- oder Blechhütten, wie etwa die Favelas in Brasilien.

Wirtschaft und Verkehr

Nach dem Bruttonationaleinkommen je Kopf der Bevölkerung zählt Argentinien zu den Entwicklungsländern mit mittlerem Einkommen, zum Teil wird Argentinien auch zu den Schwellenländern gerechnet. Im Ganzen marktwirtschaftlich orientiert, nahm der Staat wichtige Zweige (Kohle, Stahl, Erdöl, Transportwesen) unter Kontrolle. Seit Beginn der 1990er-Jahre erfolgte eine grundlegende wirtschaftliche Umorientierung, u. a. Liberalisierung der Wirtschaft und Privatisierung von Staatsbetrieben. Infolge anhaltender politischer und wirtschaftlicher Instabilität, v. a. seit Mitte der 1990er-Jahre (schwere Wirtschafts- und Finanzkrise), stagnierte das Wirtschaftswachstum und erhöhten sich die Auslandsschulden erheblich (drohende Zahlungsunfähigkeit des Landes). Die seit 1998 anhaltende Wirtschaftskrise hat vielfältige Ursachen: Durch die Überbewertung der Währung als Folge der Dollarbindung verlor die argentinische Wirtschaft massiv an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere im Vergleich zu Brasilien und innerhalb des Mercosur. Dies und die einseitige Handelsliberalisierung bedingten eine massive Deindustrialisierung.

Gleichzeitig sind die sinkenden Kapitalzuflüsse aus dem Ausland durch staatliche Neuverschuldung kompensiert worden, was den Schuldenstand Ende 2001 auf 146 Mrd. Dollar ansteigen ließ. Zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde eine Abkehr von der freien Marktwirtschaft angekündigt, die Anbindung des argentinischen Peso an den Dollar aufgehoben und die Entdollarisierung der argentinischen Ökonomie eingeleitet sowie ein Programm zur Wiederbelebung der Wirtschaft verkündet. Seit Mitte 2002 hat sich die Wirtschaft auf niedrigem Niveau wieder stabilisiert. Das kräftige Wirtschaftswachstum der Jahre 2003 und 2004 ist vor dem Hintergrund des dramatischen Einbruchs in den Jahren zuvor zu sehen. Im Jahr 2014 befindet sich die argentinische Wirtschaft trotz guter Rahmenbedingungen für Rohstoffexporte auf einer Talfahrt mit massiver Abwertung des Peso. Auf dem Schwarzmarkt wird der Blue Dollar gehandelt, der im Vergleich zum offiziellen Dollarkurs oft um bis zu 50% mehr an Pesos beim Umtausch wert ist.

Die stark mechanisierte Landwirtschaft, die rund 65 % der Gesamtfläche nutzt, erbringt zwar nur rund 11 % des Bruttoinlandsprodukts, ist jedoch Hauptdevisenbringer. Der größte Teil der landwirtschaftlichen Betriebsflächen ist Eigentum nur weniger Familien. Kerngebiet ist die Pampa. Haupterzeugnisse sind Weizen, Mais, Sorghum, ferner Leinsamen, Soja, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Baumwolle, Zuckerrohr, Gemüse, Obst, Wein, Tabak, Matetee. Argentinien ist trotz abnehmender Tendenz einer der größten Fleischproduzenten (Rinder, Schafe) der Welt (Dauerwiesen und -weiden nehmen 52 % der Gesamtfläche Argentiniens ein). Die Schafzucht konzentriert sich v. a. auf Ostpatagonien. Die Forstwirtschaft (Wald nimmt 13 % der Landesfläche ein, meist Busch- und Trockenwald) ist überwiegend Ausbeutungswirtschaft. Aus dem Quebrachobaum wird der Gerbstoff Tannin gewonnen. Der Fischfang (Küsten- und Hochseefischerei) zeigt aufsteigende Tendenzen.

Wichtigste Bodenschätze sind Erdöl und Erdgas. Weitere wie Blei, Zink, Silber, Gold, Kupfer, Zinn, Eisen, Kobalt, Uran und Steinkohle werden erst in geringem Ausmaß genutzt. – Die Industrie, die sich besonders um Buenos Aires sowie in Rosario und Córdoba konzentriert, erbringt rund 32 % des Bruttoinlandsprodukts; im industriellen Sektor hat eine qualitative Umschichtung von der Leicht- und Konsumgüterindustrie (v. a. Nahrungs- und Genussmittel) zur chemischen, zur Erdöl-, Eisen-, Stahl- und Elektroindustrie sowie zum Maschinen- und Fahrzeugbau stattgefunden. Die Elektroenergieproduktion erfolgt zu 41 % durch Wasserkraftwerke und zu 52 % durch Wärmekraftwerke; Kernkraftwerke bestehen in Atucha und Río Tercero.

Exportiert werden v. a. Bergbauprodukte und Brennstoffe, pflanzliche Produkte, Nahrungs- und Genussmittel und organische Öle und Fette. Haupteinfuhrgüter sind Maschinen, Instrumente und Elektronik, Vorprodukte für die Industrie sowie Transportausrüstungen. Haupthandelspartner Argentiniens sind Brasilien, die USA und die Volksrepublik China.

Inflation

Seit das argentinische Statistikamt INDEC Anfang 2007 unter Regierungsaufsicht gestellt und die statistischen Berechnungsgrundlagen verändert wurden, wird die offizielle Inflationsrate von privaten Wirtschaftsinstituten und internationalen Organisationen in Zweifel gezogen. Deren Schätzungen für 2011 liegen bei ca. knapp 23 % (2010: ca.25%). Für 2012 wird mit ähnlichen Werten gerechnet. Die hohe Inflation schlägt sich in den letzten Jahren in den Abschlüssen der Tarifrunden nieder, bei denen die mächtigen Gewerkschaften meist Erhöhungen noch deutlich oberhalb der realen Inflationsraten erzielen konnten. Auch unsere Erfahrungen waren ernüchternd: 2008 hat ein Quilmes noch 5 Pesos gekostet, im Jahr 2013 musste man für die gleiche Leckerei (1 Liter helles Bier) bereits 11 Pesos ausgeben.

 

Verkehr: Das Schienennetz (34 000 km) ist 1992 überwiegend privatisiert worden, verbunden mit Streckenstilllegungen und dem Abbau des Personenfernverkehrs. Über zwei transandine Strecken ist Argentinien mit dem chilenischen Eisenbahnnetz verbunden. Die Länge des Straßennetzes beträgt 215 471 km (davon zirka ein Drittel asphaltiert). Mehrere transandine Passstraßen verbinden das argentinische Straßennetz mit Chile. Der Paraná ist der wichtigste Binnenschifffahrtsweg (für Hochseeschiffe bis Rosario, zum Teil auch bis Santa Fe). Haupthäfen sind Buenos Aires, Rosario und La Plata. Wichtigster internationaler Flughafen ist der von Buenos Aires.

Geschichte

Spanische Kolonialherrschaft: Anfang 1516 wurde die Mündung des La Plata von den Spaniern entdeckt und 1536 Buenos Aires gegründet; nach seinem vermuteten Silberreichtum erhielt das Land den Namen (lateinisch argentum »Silber«). Seit 1776 bildete es das spanische Vizekönigreich Buenos Aires oder La Plata.

Unabhängigkeit bis Zweiter Weltkrieg: Die Kreolen begannen 1810 den Aufstand gegen Spanien und erklärten 1816 ihre Unabhängigkeit. Der sich anschließende Parteienkampf zwischen den Unitariern (Buenos Aires) und den Föderalisten des Binnenlandes mündete in einen Bürgerkrieg, aus dem 1825 die Föderalisten als Sieger hervorgingen. Ihr Führer, General Rosas, Diktator von Argentinien 1829–52, schuf die Grundlage der argentinischen Staatseinheit. Nach seinem Sturz kam 1853 eine föderalistische Verfassung zustande. 1865–70 nahm Argentinien am Krieg gegen Paraguay teil. Die Entwicklung zum Einheitsstaat mit der Hauptstadt Buenos Aires war erst 1880 abgeschlossen. In dieser Zeit wurde auch Patagonien unterworfen. Das Wirtschaftsleben nahm einen raschen Aufschwung: Argentinien wurde eines der großen Getreide- und Wollausfuhrländer der Welt. Im Kampf gegen die Regierung, die den Interessen der Großgrundbesitzer nahestand, organisierte sich der städtische Mittelstand zur »Unión Cívica Radical« (Aufstände 1890 und 1893). Ihr Führer Irigoyen war 1916–22 und 1928–30 Präsident; im Ersten Weltkrieg, der den Beginn der Industrialisierung brachte, bewahrte Argentinien strenge Neutralität. Während der Weltwirtschaftskrise gelangten durch einen Militärputsch 1930 wieder die Konservativen an die Macht, die 1943 durch eine Militärdiktatur abgelöst wurden. Im März 1945 erklärte Argentinien Japan und Deutschland den Krieg.

Im Zeichen des Peronismus: In der Zeit der Militärdiktatur gewann J. D. Perón mithilfe der Gewerkschaften und der Arbeiterpartei (gegründet 1945; Peronisten) eine große Anhängerschaft besonders unter den ärmsten Schichten. Nach seiner Wahl zum Präsidenten (1946) unterwarf er die Wirtschaft der Kontrolle des Staates, leitete eine finanziell aufwendige Industrialisierung ein und führte unter dem Einfluss seiner Frau, Eva Duarte, Reformen durch (u. a. Frauenwahlrecht, Sozialversicherung). Seine diktatorische Herrschaft unterdrückte jede Opposition und führte den Staat in eine schwere Finanzkrise. 1955 stürzte die Armee Perón, der ins Exil ging. Nach dem Verbot der Arbeiterpartei bildeten die Gewerkschaften das Rückgrat des Peronismus. Die Sanierung von Wirtschaft und Staatsfinanzen, die Auseinandersetzung mit den Peronisten und der Kampf gegen den Terrorismus stellten die wechselnden Zivil- und Militärregierungen vor nicht zu lösende innenpolitische Probleme. Unter dem Druck seiner Anhänger konnte Perón 1973 nach Argentinien zurückkehren (Versuch eines gesellschaftlichen und politischen Ausgleichs durch einen »Sozialpakt«). Nach seinem Tod (1974) wurde seine Witwe und Nachfolgerin, Isabel Perón, 1976 durch einen Militärputsch unter Führung von General J. R. Videla gestürzt.

Militärdiktatur: Gestützt auf eine von den Oberbefehlshabern von Heer, Marine und Luftwaffe gebildete Junta, errichtete die Militärführung unter Staatspräsident J. R. Videla (1976–81) und seinen Nachfolgern ein diktatorisches Regierungssystem, das im Zeichen eines sich ständig steigernden Staatsterrorismus nicht allein die terroristischen Aktivitäten linksperonistischer und sozialistischer Gruppen bekämpfte, sondern die gesamte Opposition unterdrückte (Proteste v. a. der »Mütter der Plaza del Mayo«). 1982 scheiterte ein Versuch, mit militärischen Mitteln die argentinischen Ansprüche auf die Falklandinseln gewaltsam gegenüber Großbritannien durchzusetzen.

Demokratischer Neubeginn: Nach dem Sturz der regierenden Militärjunta und der Einleitung eines Demokratisierungsprozesses (1982) wählte die Bevölkerung R. Alfonsín 1983 zum Staatspräsidenten, seine Partei, die UCR, gewann die absolute Mehrheit. Nachdem 1985 Angehörige der früheren Militärjunta zum Teil zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, spielte die Frage einer Amnestie bei wachsendem Widerstand in den Streitkräften (1987 und 1988 Putschversuche) eine innenpolitisch stark umstrittene Rolle. Bei den allgemeinen Wahlen von 1989 gewann der Peronist M. C. S. Menem das Amt des Staatspräsidenten (1995 wieder gewählt), seine Partei, der peronistische Partido Justicialista (PJ), die absolute Mehrheit der Mandate im Parlament.

Mit einem radikalen neoliberalen Wirtschaftsprogramm bemühte sich Menem mit unterschiedlichem Erfolg um die Sanierung der Wirtschaft (1995 schwere Finanzkrise). In der Außenpolitik trat Argentinien dem Kernwaffensperrvertrag bei. Der letzte Grenzkonflikt mit Chile wurde 1998 beigelegt. Das innenpolitische Klima der 1990er-Jahre wurde immer noch von der Auseinandersetzung mit den Menschenrechtsverletzungen unter der Militärdiktatur beeinflusst. Die Präsidentschaftswahlen 1999 gewann F. De la Rúa von der UCR. Seine vordringlichste Aufgabe, der Abbau der Staatsschuld, wurde durch erneute Finanzkrisen jeweils Ende 2000 und 2001 sowie eine seit 1999 andauernde Rezession erschwert. Kredite des IWF und ein im Sommer 2001 von De la Rúa angekündigtes Umschuldungs- und Sparprogramm konnten die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht beenden, die sich Ende 2001 zu einer Staatskrise ausweitete.

Nach Demonstrationen und Protesten der Bevölkerung gegen die Regierung sowie schweren Unruhen (v. a. in Buenos Aires) trat am 20. 12. 2001 Staatspräsident De la Rúa zurück. Am 30. 12. 2001 wählte (nach mehreren Übergangspräsidenten) schließlich der Kongress, in dem seit den Parlamentswahlen vom Oktober 2001 die Peronisten über eine Mehrheit in beiden Kammern verfügen, E. Duhalde von der PJ für die verbleibende Legislaturperiode bis Dezember 2003 zum neuen Staatspräsidenten. Zur Überwindung der Finanzkrise kündigte Duhalde eine Abkehr von der freien Marktwirtschaft an; gleichzeitig wurde vom Kongress ein Notstandsgesetz verabschiedet, das der Regierung weit reichende Befugnisse zur Neuordnung der Staatsfinanzen erteilte, sowie ein Programm zur Wiederbelebung der Wirtschaft verkündet. Bei der Präsidentschaftswahl am 27. 4. 2003 konnte keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit erzielen. Da jedoch wenige Tage vor der Stichwahl Menem seine Kandidatur zurückzog, wurde am 25. 5. 2003 der Peronist und ehemalige Provinzgouverneur von Santa Cruz, N. Kirchner, als neuer Staatspräsident vereidigt. Im August 2003 wurden Amnestiegesetze für die unter der Militärdiktatur 1976–83 begangenen Verbrechen wie Entführung, Folter und Mord aufgehoben. Damit wurden Strafverfahren gegen ehemalige Polizei- und Militärangehörige möglich; schätzungsweise 30 000 Menschen kamen während der Zeit der Diktatur in Argentinien ums Leben.

Cristina Fernández de Kirchner, die Ehefrau des bisherigen Präsidenten Kirchner, wurde 2007 ohne Wahl zur Präsidentschaftskandidatin nominiert und gewann die Wahlen am 28. 10. 2007 mit deutlicher Mehrheit. Sie ist zwar nicht die erste Frau im Präsidentenamt Argentiniens, aber sie wurde als erste Frau in der Geschichte des Landes zum Staatsoberhaupt gewählt (Amtsantritt: 10. 12. 2007).

Sehenswürdigkeiten des Landes

Buenos Aires

Blick-Buenos Aires-Sheraton

Blick auf Buenos Aires vom Sheraton aus

Aufgrund der Größe des Landes und seiner Geschichte hat Argentinien auch sehr viele Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Dabei sollte zunächst einmal in der Hauptstadt angefangen werden.

Sehr bekannt sind der Plaza de Mayo und auch die beiden Stadtteile La Boca und San Telmo, wo der argentinische Tango entstanden sein soll.

Das Zentrum der Millionenmetropole ist der von deutschen Ingenieuren geplante und unter deutscher Leitung erbaute Obelisk, der mitten auf der Avenida Nueve de Julio zu finden ist.

Eisenbahn- und Busbahnhof Retiro

Retiro-Buenos Aires

Zugstation Retiro in Buenos Aires

Auch Retiro, das Zentrum der lokalen Eisenbahnlienie und des Busverkehrs ist interessant.

Nein eher schon richtig geil, denn hier trifft man alles und alles kann passieren, Taschendiebstahl eingeschlossen.

Nahezu jeder, der Buenos Aires und/oder Argentinien richtig bereist, lernt diesen Ort kennen.

Er ist der zentrale Verkehrsknotenpunkt für die 40 Millionen Argentinier, die meistens überland mit dem Bus reisen.

Die Eisenbahn fährt hier in die Vororte, wir haben sie auch häufig genutzt und es ist mehr als schweisstreibend, am Nachmittag im Sommer dort zu fahren. Ab 16 Uhr ist Rush Hour, kein Platz mehr frei in vielen Zügen. Auf einer Linie hängen sich dann Menschen auch an die offenen Türen und werden so quasi mitgeschleift.

Gerade die Züge sind dann auch noch recht mau, die recht weit raus fahren. San Miguel zum Beispiel. Oh Mann, was man da an Zeit und aber vor allem Schweiss verliert, das ist schon beispielhaft im negativen Sinn. Aber gut, zum Abnehmen auch nicht schlecht.

Reisetipp:

Leiden Sie an Übergewicht, oder wollen schnell und wenig sportlich abnehmen, fahren Sie bitte täglich am Morgen und am Abend mit dem Tren in Buenos Aires! Kein Scherz, ich hab da auch abgenommen 😉

Casa Rosada

Casa rosada Buenos Aires

Casa Rosada im Hintergund

Die Casa Rosada ist der Regierungssitz des Präsidenten  der Republik Argentinien. Zu finden ist der Bau im Stadtteil Monserrat, der immer wieder gerne in den lokalen Nachrichten kommt, da dort auch Proteste an der Tagesordnung sind.

Aktuell ist die Präsidentin eine Frau, Fernanda Kirchner, die Witwe des verstorbenen Ex-Präsidenten Fernando Kirchner.

Eine sozialliberale Präsidentin, die das Amt vom Ex-Mann geerbt hat. So läuft das in einigen Ländern Südamerikas. Die rosa Witwe hat auch schon häufiger international negativ auf sich aufmerksam gemacht. Das beste war, als sie den argentinischen Ableger des Ölkonzerns Repsol von heute auf morgen verstaatlichte, weil dieser angeblich keine Investitionen in das gelobte Land Argentinien machte.

Obelisk

Obelisk-Buenos Aires

Der Obelisk auf der Avenida Nueve de Julio

Aus historischer Sicht ist wohl die wichtigste Sehenswürdigkeit des Landes aber wohl der Obelisk. Er befindet sich heute  inmitten einer 15 spurigen Verkehrsader in Buenos Aires. Früher stand hier die Kirche San Nicolas de Bari. Im Jahre 1812 wurde die argentinische Flagge das erste Mal in Buenos Aires im Kichenstuhl gehisst.

Später mußte die Kirche dem Bau der Avenida 9 de Julio weichen. Im Jahr 1936 entschied der damalige Bürgermeister Mariano de Vedia y Mitre, dass an der Stelle des heutigen Ovalos ein Obelisk gebaut werden soll. Dazu erteilte er dem Architekten Alberto Prebisch den Auftrag.

Ein Konsortium der deutschen Firmen Siemens Bauunion – Grün & Bilfinger (heute Bilfinger & Berger) stellte das Bauwerk innerhalb von kurzer Zeit mithilfe von 157 Arbeitern fertig. Baubeginn war der 20.März 1936, die Einweihungsfeier dann am 23. Mai des gleichen Jahres. So wurde das 67,5 Meter hohe Denkmal schnell fertig. Statt sich zu freuen, hatten die Einwohner von Buenos Aires den Obelisk schnell auf der Liste der Protest-Bauten und man fing an, sich darüber lächerlich zu machen.

Bereits drei Jahre später wurde im Gemeinderat der Stadt eine Petition mit 23 Ja- und 3 Nein-Stimmen durchgewunken, die zum Ziel hatte, den Obelisk von Buenos Aires abzureissen. Es wurden von den Befürwortern die negative Ästhtetik, die schlechte wirtschaftliche Lage und die Gefahr des Einstürzens als Grund angegeben. Dank des Vetos des damaligen Bürgermeisters Goyeneche aber wurde der Plan nicht Wirklichkeit.

Der Obelisk ist das Wahrzeichen der Stadt Buenos Aires, als solches ist er immer wieder das Ziel von Propaganda-Märsche und Protestkundgebungen.

Das ehrwürdige Theater „Theatro Colon“, das von 1880 bis 1908 gebaut wurde, befindet sich ebenso hier und bietet neben vielen gut ausgestatteten Plätzen auch 5 Logen.

 

Misiones

Iguazu-Wasserfälle

Wasserfälle von Iguazu

Umgleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Die beeindruckendste Sehenswürdigkeit Argentiniens findet sich mit den Iguazu Wasserfällen in Misiones.

Der Reisende wird mit dem Bus zu dem Nationalpark gefahren, in dem er tosende, atemberaubende Wasserfälle gepaart mit den tollsten Regenbogenkreationen erkunden kann.

Ein absolutes Muss, auch wenn man in Brasilien oder Paraguay ist, denn die Wasserfälle liegen in einem Dreieck zwischen den drei Ländern.

Über Rio de Janeiro, oder auch Sao Paulo in Brasilien, Asuncion in Paraguay, aber auch Buenos Aires in Argentinien fliegen kleinere Maschinen direkt nach Iguazzu an den kleinen dortigen Flughafen. Alternativ kann man mit einem Reisebus von Retiro aus in 20 Stunden in Puerto Iguazu ankommen, die reine Fahrt im Semi-Cama Bus kostete hin- und zurück 2011 etwa 100 US-Dollar.

Aber auch der Rest der Provinz Misiones ist durchaus sehenswert. In San Ignacio Mini finden sich imposante Ruinen aus dem Jahre 1610, die sich in der Provinz Misiones befinden.

San Juan ist eine Provinzhauptstadt und es gibt dort ein interessantes paläontologisches Museum. Hier gibt es auch einen großen Turm, der eine weitläufige Aussicht über die gesamte Stadt bietet.

 

Salta

 

Salta-Argentinien

herrlicher Blick auf Salta la linda

Eine weitere Attraktion des Landes ist die Salta, in der gleichnamigen Provinz.

Dort befindet sich die San Francisco Kirche im Norden Argentiniens. Es heißt, dass es der schönste Kirchturm in ganz Südamerika sein soll.

Nebenbei bietet Salta aber auch weitere Schätze, die zu erkunden sind, wie auch eine Seilbahn, von der man die Stadt von hoch oben sehr gut überblicken kann.

Ein paar Tage in Salta sollten auf einer ausgedehnten Reise durch Argentinien eingeplant werden.

 

Jujuy

 

Jujuy-salzwueste

Salinas Grandes in Jujuy

Sitzt man ganz im Norden des Landes, etwa in der Provinz Jujuy, wo es im Sommer sehr heiß und im Winter angenehm warm ist, dann kann es einen schon recht wundern, dass im gleichen Land Minustemperaturen von unter 15 Grad herrschen.

Man schaltet den Fernseher ein und sieht den Wetterbericht des Landes. Da kann man das fast nicht glauben: Es besteht im argentinischen Winter, der rein zeitlich unserem Sommer entspricht,  häufig ein Temperaturunterschied von bis zu 40 Grad im Land.

Jujuy ist eine der ärmeren Regionen in Argentinien, aber nur aus monetärer Sicht. Die Landschaft ist in weiten Teilen mit hohen Gebirgen gesäumt, eine Reise in diese Gegend sollte die Salinas Grandes, eine eindrucksvolle Salzwüste und das Weltnaturerbe Quebrada de Humahuaca, eine riesige Schlucht mit vielfarbigen Gesteinsformationen unbedingt beinhalten.

Mendoza

Zu den wichtigen Attraktionen zählt die gleichnaige Stadt und ja eigentlich die ganze Provinz Mendoza. Das Zentrum des Weinanbaus in Argentinien liegt etwas unterhalb der Mitte des Landes, direkt an die Anden angrenzend.

Aber auch Skifahrer lassen sich hier im argentinischen Winter, der sich Juli/August manifestiert, von den tollen Möglichkeiten begeistern. Viele Argentinier aus dem Norden träumen davon, einmal im Leben dort Ski zu fahren. Bei vielen bleibt es ein Traum, ist doch die Reise nicht ganz preiswert und Mendoza für argentinische Verhältnisse relativ teuer.

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Wanderer auf dem Weg zum Acongagua

Der höchste Gipfel außerhalb Asiens befindet sich in Mendoza, in Richtung der chilenischen Grenze in den Anden.

Der Berg ist 6962 Meter hoch und trägt den Namen Aconcagua. “A con” bedeutet wohl ins Deutsche  übersetzt der Buchstabe “A mit”.

Agua bedeutet Wasser auf Spanisch, korrekt übersetzt schlicht “W mit Wasser”.

Ob diese gewagte  Übersetzung den Historikern gefallen würde? Da das A ja einer Bergspitze ähnelt, könnte diese These aber durchaus Bestand haben.

Bariloche

 

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Cerro Tronador in Bariloche

Bariloche zählt zu den touristischen Hochburgen des Landes, vor allem auch im Winter treffen sich hier die argentinischen Skihasen und Skihäschen.

Der Lebensunterhalt in Bariloche ist auch nicht gerade billig, man sollte also ein gutes Reiseportmonnaie dabei haben, wenn man diese Region in Argentinien besuchen will.

Wer in Argentinien billig leben, oder auch nur preiswert reisen will, dem sei der Norden des Landes als Destination empfohlen.

Das Bild zeigt einen der höchsten Erhebungen der Gegend, den Cerro Tronador. Dieser Vulkan ist prinzipiell geologisch aktiv, wobei der letzte Ausbruch schon länger her liegt. Mit 3.491 Meter ist er eine tolle Sehenswürdigkeit, ganz in der Nähe der Stadt Bariloche.

 

Calafate

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Perito Moreno Gletscher

Auch sehr bekannt in Argentinien ist die Ortschaft Calafate, das im Departemento Lago Argentino zu finden ist.

Hier gibt es den Los Glaciares Nationalpark und den Perito Moreno Gletscher zu entdecken.

Sehr beeindruckend anzusehen ist hier vor allem, wenn mal wieder ein Gletscherstück von einem der Gletscherlandschaften wegbricht.

Von Oktober bis Mai ist die Hauptsaison in dieser Gegend, die Touristen kommen scharenweise aus aller Welt, um sich das Naturschauspiel aus der Nähe anzusehen.

Patagonien

 

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Vulkan in Patagonien

Patagonien, tief im Süden des Landes gelegen,besitzt einige der bedeutendsten Attraktionen Argentiniens.

Hier gibt es unter anderem herrliche Gletscherseen und auch Pinguine zu beobachten.

Zudem ist dort auch die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia.

Ein tolles Reiseportal für Individualreisen nach Südamerika und natürlich auch zu Argentinien ist its-your-trip.com, das man vor einem Besuch des Landes unbedingt besuchen sollte. Die dort gebotenen Infos sind sehr interessant für jeden Südamerika-Reisenden.

 

Quellen: R. Junghans: Argentinien-Handbuch; Argentinien. Land der Peripherie?, hg. v. R. Sevilla u. R. Zimmerling; Argentinien heute. Politik, Wirtschaft, Kultur, hg. v. K. Bodemer; Argentinien nach zehn Jahren Menem. Wandel u. Kontinuität, hg. v. V. P. Birle u. S. Carreras. Wikipedia.org;