Schnellübersicht

Fläche 1 098 581 km2
Einwohner (2012) 10,06 Mio.
Hauptstadt Sucre
Regierungssitz La Paz
Verwaltungsgliederung 9 Departamentos
Amtsprache Spanisch, Ketschua, Aimara
Nationalfeiertag 6. 8.
Währung 1 Boliviano (Bs) = 100 Centavo (c.)
Zeitzone MEZ − 5 Stunden
Internet-TLD .bo
Telefonvorwahl +591

Amtlich spanisch República de Bolivia, Andenstaat in Südamerika, ohne Zugang zum Meer. Als Nachbarstaaten befinden sich im Norden und Osten Brasilien und Paraguay. Im Süden Boliviens finden sich das langgezogene Argentinien, im Westen und Südwesten Peru und Chile als Nachbarn.

Die offizielle Hauptstadt Boliviens ist Sucre mit etwa 310.000 Einwohnern, der Regierungssitz ist allerdings in der über 3.200 Meter hoch gelegenen, inoffiziellen Hauptstadt La Paz, in der etwa 900.000 Menschen ihr zuhause haben. Und das auch viel bekannter ist, als die eigentliche Hauptstadt des Landes. Fragen Sie in einem der Nachbarländer, welche die Hauptstadt Boliviens sei, dann antworten die meisten La Paz.

laguna verde bolivien

 

Bolivien – Abwechslung in Südamerika

Bolivien - das Land

Die Nationalflagge Boliviens

Aus geographischer Sicht ist Bolivien in ganz Südamerika einzigartig. Erwähnenswert sind Altiplano, eine Hochebene in den Anden und der 3810 Meter hoch gelegene Titicacasee, der größte See in Südamerika, den man auf der Karte Boliviens auch gut erkennen kann. Bolivien dehnt sich auf etwa 1.1 Mio km² aus, und ist damit doppelt so groß wie Spanien. Die Menschen in Bolivien sind zu 55% indigener Abstammung, 30% sind Mesitzen, also Mischlinge aus indigenen und ehemaligen weißen Einwanderern, der Rest der Bevölkerung sind Weiße. Die Landessprache in Bolivien ist Spanisch und die Hauptstadt ist Sucre. Schon im August 1825 wurde Bolivien von Spanien unabhängig und hat heute etwa 11 Millionen Einwohner, Tendenz steigend.

Staatsrecht

Nach der mehrfach (zuletzt 2004) modifizierten Verfassung von 1947 ist Bolivien eine präsidiale Republik; Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der für 5 Jahre direkt gewählte Präsident (keine unmittelbare Wiederwahl möglich); er ernennt und entlässt die Minister, bestimmt die Richtlinien der Außenpolitik, kann Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen und Dekrete erlassen. Die Legislative liegt beim Kongress (für 5 Jahre gewählt), bestehend aus Senat (27 Mitglieder) und Abgeordnetenhaus (130 Abgeordnete). Die jüngste Verfassungsänderung ermöglicht auch Bürgerverbänden und Vereinigungen die Wahlbeteiligung, die Durchführung von Volksbefragungen und Gesetzesinitiativen der Bevölkerung sowie die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung. – Wichtigste Parteien: Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR), Movimiento al Socialismo (MAS), Movimiento de la Izquierda Revolucionaria (MIR), Nueva Fuerza Republicana (NFR), Movimiento Indígena Pachakuti (MIP), Acción Democratica Nacionalista (ADN) und Unidad Nacional (UN).

Natur

Das Hochgebirge der Anden im Westen und tropisches Tiefland im Osten bilden die natürlichen Großräume. Die Anden erreichen hier ihre größte Breite. Ihre beiden Hauptketten (Ost- und Westkordillere) mit über 6 000 m hohen Gipfeln (Illampu 6 427 m und Illimani 6 438 m) schließen ein 3 000–4 000 m über dem Meeresspiegel gelegenes Hochland (Altiplano) mit abflusslosen Becken (Titicacasee, Poopósee) ein, das nach Süden immer trockener wird. Die baumlose Hochlandsteppe (Puna) geht allmählich in eine Hochlandwüste mit großen Salzpfannen (Salar de Uyuni, Salar de Coipasa) über. Von der breiten Ostabdachung der Anden, dem durch die Quellflüsse des Amazonas- und La-Plata-Systems tief zertalten und stark bewaldeten Bolivianischen Bergland, geht Bolivien in das östliche Tiefland, das zwei Drittel des Landes einnimmt, über. Im Süden reicht dieses bis in das trockenheiße Buschland des Gran Chaco, im Norden bis in das feuchtheiße Randgebiet des Amazonasbeckens. Das Klima Boliviens ist tropisch mit geringen Schwankungen der von der Höhe abhängigen Temperaturwerte; die Niederschläge nehmen von Osten nach Westen und von Norden nach Süden ab.

Bevölkerung

Etwa die Hälfte der Bevölkerung sind Hochlandindianer (Ketschua, Aimara), über 30 % Mestizen (Cholos) und etwa 15 % Weiße, meist spanischer Herkunft (herrschende Oberschicht); die Zahl der Tieflandindianer (Guaraní) ist gering. Wichtige Siedlungsschwerpunkte sind das Titicacabecken, die Beckenzone von Cochabamba und das Neusiedlergebiet von Santa Cruz. Im noch wenig entwickelten östlichen Tiefland leben (in den Departamentos Pando, Beni und Santa Cruz) auf 59 % der Fläche Boliviens nur 30 % der Gesamtbevölkerung. Die jährliche Bevölkerungszuwachsrate liegt bei 1,9 %. Der Anteil der Stadtbevölkerung beträgt 63 %. Größte Städte sind Santa Cruz, La Paz, El Alto, Cochabamba, Oruro, Sucre, Tarija und Potosí. – rund 94 % der Bevölkerung sind Christen (ganz überwiegend [rund 85 %] Katholiken); die größte nichtchristliche Religionsgemeinschaft bilden die Bahais (rund 269 000); in geringer Zahl Anhänger traditioneller indianischer Religionen. – Es besteht allgemeine Schulpflicht im Alter von 6 bis 14 Jahren. Die geschätzte Alphabetisierungsrate beträgt 87 % (alle über 15 Jahre) beziehungsweise 97 % (15- bis 24-Jährige). Es gibt 12 staatliche und 32 private Universitäten beziehungsweise Hochschulen, u. a. in Sucre (gegründet 1624) und La Paz (1930).

Wirtschaft

Trotz seines Reichtums an natürlichen Ressourcen (Bodenschätze, Wälder, Wasserkraft) ist Bolivien ein Entwicklungsland mit einem der niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen in Lateinamerika, einer hohen Arbeitslosenquote und Unterbeschäftigung. Hauptursachen sind unzureichende Verkehrserschließung und Energieversorgung, Kapitalmangel, lange Zeit einseitige Abhängigkeit der Wirtschaft vom Bergbau; seit Mitte der 1980er-Jahre markt- und stabilitätsorientierte Umstrukturierung. Die Tilgung der öffentlichen Auslandsschulden beansprucht einen wesentlichen Teil der Exporterlöse. – Altiplano und das Bolivianische Bergland haben große Erzvorkommen. Gefördert werden v. a. Zinn-, Zink-, Blei-, Kupfer-, Wolfram-, Antimon- sowie Gold- und Silbererze; die Andenrandzone im Südosten ist reich an Erdöl und Erdgas (nach Venezuela zweitgrößte Gasreserven in Südamerika). Eine erste Erdgaspipeline (3 000 km) nach Brasilien wurde 1998 fertiggestellt. – Die trotz Agrarreform (ab 1952) wenig effektive Landwirtschaft beschäftigt rund 44 % der Erwerbstätigen, hat aber nur einen Anteil von weniger als einem Fünftel am Bruttoinlandsprodukt und deckt nicht den Eigenbedarf. Die großbetriebliche Rinderhaltung im östlichen Tiefland gewinnt neben dem Anbau von Zuckerrohr, Reis, Kaffee, Soja und Baumwolle zusehends an Bedeutung. Auf dem Altiplano dominiert der Anbau traditioneller Nahrungsmittel (Getreide, Kartoffeln, Quinoa). Der illegale Anbau von Kokasträuchern hat sich seit den 1970er-Jahren um ein Mehrfaches erhöht, wird aber intensiv bekämpft. Über die Hälfte des Landes ist bewaldet; forstwirtschaftliche Nutzung bisher nur in geringem Maß, zum Teil illegaler Einschlag. – Die Industrie erzeugt v. a. Konsumgüter für den heimischen Bedarf; ferner gibt es Metallverhüttung, Erdölraffinerien, chemische Industrie, Zement-, Papierfabriken. Ausfuhrgüter sind Soja, Zink, Erdgas, Gold, Zinn, Silber und Holz. Haupthandelspartner: Brasilien, Argentinien, USA und Chile.

Verkehr

Das Straßennetz (rund 54 000 km) ist ausbaubedürftig. Die Eisenbahn (West- und Ostnetz, zusammen 3 500 km) verbindet Bolivien mit den chilenischen Ausfuhrhäfen, mit Peru, Argentinien und Brasilien; Binnenschifffahrt (v. a. Fährschiffe) besonders auf dem Titicacasee. Bolivien hat einen vertraglich geregelten Zugang zum Río Paraguay und Río Paraná. Durch einen von Argentinien eingeräumten Freihafen bei Rosario erhielt Bolivien Zugang zum Atlantischen Ozean; internationale Flughäfen: La Paz und Santa Cruz.

Geschichte

Kolonialzeit: Bolivien gehörte in präkolumbianischer Zeit zum Inkareich und wurde 1538 von Spaniern unter F. Pizarro erobert. Es war dann Teil des spanischen Vizekönigreichs Peru und gehörte seit 1776 zum Vizekönigreich Buenos Aires (La Plata). Auf dem Gebiet Boliviens lagen die Silbervorkommen von Potosí, die bis Ende des 18. Jahrhunderts Hauptquelle des spanischen Silberreichtums waren. Nach seinem Sieg bei Ayacucho (1824) rief A. J. de Sucre am 6. 8. 1825 die Unabhängigkeit des Landes Bolivia aus. Erster Präsident des nach ihm benannten Landes wurde S. Bolívar (bis 1826).

Union bis Chacokrieg: Die peruanisch-bolivianische Union bestand nur 1836–39. Als Bundesgenosse Perus nahm Bolivien 1879/80 am Salpeterkrieg gegen Chile teil und verlor 1884 seine Küstenprovinz Antofagasta an Chile. 1903 musste es die reiche Provinz Acre an Brasilien abtreten. Im Ersten Weltkrieg brach Bolivien 1917 die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Wirtschaftlich geriet es unter den Einfluss der USA. 1932–35 führte Bolivien den verlustreichen Chacokrieg gegen Paraguay, um sich einen Zugang zum Meer zu verschaffen; der Friede vom 21. 7. 1938 sicherte nur einen schmalen Zugang zum Río Paraguay.

Nachkriegszeit bis heute: Seitdem folgten Bauernunruhen, sozialrevolutionär bestimmte Staatsstreiche und Militärputsche aufeinander. Gestützt auf den MNR, verstaatlichte Präsident V. Paz Estenssoro die Zinnminen (1952) und leitete eine Landreform ein (1953). Die folgenden Jahre waren geprägt von wirtschaftlichen Schwierigkeiten und politischer Radikalisierung. 1964 übernahm nach mehreren Putschen die Armee unter General René Barrientos Ortuño die Macht. Er zerschlug 1967 – mithilfe der USA – die Guerilla-Organisation von »Che« Guevara. General Alfredo Ovando Candida (1969–71) versuchte mit einem linksorientierten Programm, die politischen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Bis 1980 wurde Bolivien von militärischen Gruppierungen beherrscht, die durch Putsche einander ablösten (u. a. unter General H. Banzer Suárez, 1971–78). Der nach langen Auseinandersetzungen um eine demokratische Staatsform als Kandidat der gemäßigten Linken (»Unión Democrata Popular«, UDP) 1980 gewählte Präsident Hernán Siles Zuazo konnte erst 1982 sein Amt antreten.

Die Wahlen von 1985 gewann Paz Estenssoro für den MNR, doch zeigte auch sein Sanierungsprogramm (u. a. Abbau der Subventionen, Privatisierung von Staatsunternehmen, Lohnstopp) zunächst wenig Erfolg. Seit 1986 erholt sich die Wirtschaft langsam. Bei den Präsidentschaftswahlen vom Mai 1989 und Juni 1993 erzielte kein Kandidat die absolute Mehrheit, deshalb bestimmte das Parlament im August 1989 Jaime Paz Zamora (MIR), im August 1993 Gonzalo Sánchez de Lozada (MNR) zum Präsidenten. Neben der Bewältigung der wirtschaftlichen Probleme bemühten sich die verschiedenen Regierungen, zunehmend erfolgreich, um die Festigung der Demokratie, um Verwaltungs- und Sozialreformen sowie die Bekämpfung der Drogenkriminalität, besonders des Drogenhandels. Mit Peru schloss Bolivien 1992 einen Vertrag über eine Freihandelszone und Nutzungsrechte an der peruanischen Hafenstadt Ilo; damit erhielt das Land erstmals seit 1879 wieder einen Zugang zum Meer. Bei den Präsidentschaftswahlen 1997 setzte sich der ehemalige General Bánzer Suárez durch, der 2001 – auch aus gesundheitlichen Gründen – zugunsten von Vizepräsident Jorge Quiroga Ramirez zurücktrat. Im August 2002 wurde im zweiten Wahlgang vom Parlament Sánchez de Lozada (MNR) zum Staatspräsidenten gewählt, der bereits 1993–97 dieses Amt innehatte. Er kündigte zur Überwindung der schweren wirtschaftlichen Krise ein Notprogramm an, das u. a. die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Korruption beinhaltete. Nach den Parlamentswahlen vom Juli 2002 bildete sich eine Koalition des konservativen MNR und des sozialdemokratisch orientierten MIR. Seit Februar 2003 kam es zu gewalttätigen inneren Unruhen, die sich gegen die liberale Wirtschaftspolitik richteten. Präsident Sánchez de Lozada trat daraufhin im Oktober 2003 zurück; auch sein Nachfolger Carlos Mesa musste sein Amt nach Straßenblockaden und Protesten im Mai 2005 niederlegen. Im Dezember 2005 wurde mit E. Morales (MAS) erstmals ein Vertreter der indigenen Bevölkerung zum Präsidenten gewählt.

Nach dem Vorbild von H. Chávez in Venezuela regte er grundlegende Reformen (Verstaatlichung der Erdöl und Erdgasindustrie im Mai 2006) und eine “Neugründung” des Staates an. Die im August 2006 eingesetzte verfassunggebende Versammlung legte nach Mandatsverlängerung am 14. 12. 2007 eine neue Verfassung vor, über die in einem Referendum abgestimmt werden muss. Eckpunkte sind u. a. eine stärkere Rolle des Staats in Wirtschaft und Grundbesitz sowie die Verankerung der traditionellen Justiz. Streitigkeiten über die neue Verfassung von Regierung und Opposition verschärften den Konflikt zwischen den armen, von der indianischen Bevölkerung bewohnten Regionen des Hochlands und den reichen, von Nachfahren der Einwanderer bewohnten Tieflandprovinzen, die mehr Autonomie fordern.

Klimatische Verhältnisse

Aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen gibt es auch verschiedene Klimazonen. Auf dem Altiplano herrschen geringe Temperaturschwankungen, was die Jahreszeit angeht, und mittelgroße Schwankungen wenn es um den Unterschied von Tages- und Nachttemperatur geht. Am Ostabfall der Anden herrscht gemäßigtes und subtropisches Klima. Hingegen sind im Tiefland, im bolivianischen Chaco, Temperaturen wie in einer Savanne zu spüren, wo das Thermometer schon mal über 40 Grad Celsius steigt. Feucht und regnerisch ist es im Gebiet Yungas. In den tieferliegenden Regionen, wie etwa Cochabamba, ist alles grün und teils sumpfig, wie in einem Dschungelgebiet.

Quellenauszug: Bolivien. Das verkannte Land?, hg. v. R. Sevilla u. A. Benavides; S. Jost: Bolivien. Politisches System u. Reformprozess; J. Honnor u. a.: Bolivia; Wikipedia.org