Kanada ist ein eigenständiges Land in Nordamerika. Es ist von der Fläche her gesehen das zweitgrößte Land auf der Erde. Der Großteil der Bevölkerung verteilt sich dabei auf die größeren Städte des Landes.

Kanada in Nordamerika vorgestellt

Kanada-Topographisch

Topographische Karte Kanadas

Die Flagge Kanadas Kanada wurde 1965 das erste Mal gehisst, das Ahornblatt zeugt von den vielen Laubbäumen und den Wäldern Kanadas. Die Flagge wurde im Windkanal getestet, das im Land zu findende echte Ahornblatt hat 23, das auf der kanadischen Flagge befindliche Windkanal-optimierte Aushängeschild des Landes nur elf Ecken.

Von den 35,16 Millionen Einwohnern (Stand: 2013) verteilen sich fast 55 Prozent auf die 30 größten Städte des Landes. Zu den größten und wichtigsten Städten Kanadas zählen Toronto, Montreal, Vancouver, Calgary, Ottawa und auch Edmonton. Zudem ist Kanada auch Mitglied der G-8-Staaten und wurde formal erst im Jahre 1982 unabhängig von Großbritannien. Die Hauptstadt ist Ottawa.

Die Fläche Kanadas erreicht die enormen Ausmaße von knapp zehn Millionen Quadratkilometern. Nur Russland hat eine noch größere Fläche. Nachbarländer sind die USA und auch Grönland, das zu Dänemark gehört. Fast ein Zehntel der Fläche Kanadas wird von Gewässern gebildet. Die Landschaft in Kanada ist heterogen. Die größte Insel Kanadas ist die Baffin-Insel, die fünft größte Insel der Welt. Will man von einem Ende Kanadas ans andere kommen, also eine Ost-Westtour durchführen, dann muss man rein Luftlinie mehr als 5.500km überwinden. Das ist nochmal etwa 1.000km mehr als man in den USA für die Tour New York – Los Angeles brauchen würde.

Kanada-Tourismus

Touristisch gesehen ist Kanada sehr gut erschlossen, es gibt tolle Lodges und einfache, preiswerte, aber auch sehr feine Hotels. Aber auch andere preiswerte Unterkünfte, Hostels und B&B´s. Nicht nur die Metropolen Ottawa, Vancouver und Toronto begrüßen immer mehr Besucher aus aller Welt. Auch die Schiffskreuzfahrten im Osten und Westen des Landes werden immer populärer. Frachtschiffreisen durch die vielen Fjorde Kanadas sind zudem eine willkommene Alternative, um das Land vom Wasser aus kennen zu lernen. Durch sehr viele Anbieter im Reisebereich gibt es auch einen gesunden Wettbewerb im Bereich Reise und Urlaub.

Immer mehr Urlauber, gerade auch aus Europa, machen eine Tour mit dem Wohnmobil in Kanada. Kleinere Touren, ausgelegt auf zwei oder auch drei Wichen, führen entlang der West- oder Ostküste. Für eine Reise quer durch Kanada sollte man mit einer Reisezeit von vier Wochen rechnen. Diese Tour ist also für einen längeren Urlaub als gewöhnlich ausgerichtet, aber Gewöhnliches will man ja auch in Kanada nicht finden. Das riesige Land im Norden Amerikas bietet einfach zuviel Sehenswürdigkeiten.

Der Staat in Kanada

Nach der Verfassung von 1982 ist Kanada eine bundesstaatlich geordnete parlamentarische Monarchie im Commonwealth. Staatsoberhaupt ist der britische Monarch, vertreten durch den auf Vorschlag der kanadischen Regierung ernannten Generalgouverneur.

Die eindrucksvolle Natur des Landes

Kanada umfasst den Norden des nordamerikanischen Kontinents (außer Alaska). Fast die Hälfte des Landes wird vom Kanadischen Schild eingenommen, der Südosten von den hügeligen Ausläufern der Appalachen. Die Ebenen am Sankt-Lorenz-Strom und im Gebiet der Großen Seen sind Teil der Inneren Ebenen (Interior Plains) Nordamerikas. Westlich des Kanadischen Schilds erstreckt sich das Prärietafelland der Great Plains, das in weiträumigen Stufen von 300 m über dem Meeresspiegel im Osten bis zur Vorgebirgszone der Rocky Mountains im Westen auf 1 500 m über dem Meeresspiegel ansteigt.

Der Westen Kanadas

Der Westen des Landes wird vom kanadischen Teil der Kordilleren (Rocky Mountains, innere Plateaus, Coast Mountains) eingenommen. Die Ketten erreichen 3 000–4 000 m über dem Meeresspiegel, im Mount Logan 5 959 m über dem Meeresspiegel; die Plateaus liegen meist in einer Höhe von 1 000–2 000 m über dem Meeresspiegel.

Nördlich des Festlands

Nördlich des kanadischen Festlands erstreckt sich der Kanadisch-Arktische Archipel; im Süden flach bis 400 m über dem Meeresspiegel, im Norden bis 2 900 m über dem Meeresspiegel aufragend und stark vergletschert. Da 97 % des Landes von Eis bedeckt waren, sind die Oberflächenformen weitgehend eiszeitlich geprägt.

Seen und Flüsse Kanadas

Die Großen Seen, an denen Kanada einen Anteil von 36 % hat, gehören wie der Große Bärensee, der Große Sklavensee und der Winnipegsee zu den größten Seen der Erde. Wichtigste Flüsse sind Nelson River, Churchill River (zur Hudson Bay) und Mackenzie River (zum Nordpolarmeer); überragende Verkehrsbedeutung hat allein der Sankt-Lorenz-Strom. Hier findet Ihre einen Artikel zu dem Thema kanadische Seen und Flüsse.

Wetter und Klima

Kanada hat überwiegend kontinentales Klima mit langen, kalten Wintern und warmen, im Inneren heißen Sommern. Der Kanadisch-Arktische Archipel und das nordöstliche Festland liegen in der arktischen, der zentrale und westliche Norden des Landes in der subarktischen Klimaregion. Im Südosten ist das Klima gemäßigt, im Westen schützen die Kordilleren die Küstengebiete vor arktischen Kaltlufteinbrüchen.
Westwinde bringen hier hohe Niederschläge, im Windschatten der Gebirge herrscht dagegen große Trockenheit. – An die Moos- und Flechtentundra im hohen Norden schließt sich südlich ein breiter Waldgürtel an (Fichten, Tannen, Lärchen, im Lorenzstromgebiet auch Ulmen, Ahorn u. a.). Östlich der Rocky Mountains grenzt an den Waldgürtel ein breiter Steppengürtel (Prärie), der etwa bis 100° westlicher Länge reicht. An der Westküste gibt es Wälder mit Zedern, Douglasien und Hemlocktannen.

Bevölkerung

Das Wachstum der kanadischen Bevölkerung auf (2013) 35,16 Mio. Einwohner (1891: 4,83 Mio.) geht vor allem auf Einwanderungen zurück. Die Anglokanadier bilden rund 48 % und die Frankokanadier 16 % der Bevölkerung. Insgesamt 39 % geben »Kanadier« als ethnische Zugehörigkeit an. Der Anteil der Ethnien aus Ländern Asiens, Afrikas, Lateinamerikas, der Karibik und aus anderen Drittländern ist auf fast 10 % angestiegen.

Die Mehrzahl der Einwanderer kommt aus Asien. Rund 3–4 % der Einwohner sind Indianer, die über ganz Kanada verstreut leben, und Eskimo (besonders im Norden des Landes).

Religionen

Rund 76 % der Bevölkerung sind Christen: rund 42 % Katholiken (etwa 85 % der Frankokanadier), rund 29 % Protestanten, über 2,5 % Anglikaner, knapp 2 % Orthodoxe; kleinere christliche Gemeinschaften sind die Amische, Hutterer und Duchoborzen.

Nichtchristliche Religionsgemeinschaften bilden die Muslime (rund 580 000), Juden (rund 370 000), Hindus, Sikhs und Buddhisten (je rund 300 000) und Bahais (über 30 000).

Schulwesen und Bildung

Die Zuständigkeit für das Bildungswesen liegt bei den Provinzen und Territorien; für die Bildung der in Reservaten lebenden Indianer und Inuit ist die Bundesregierung zuständig. Es besteht allgemeine Schulpflicht im Alter von 6 bis 16 Jahren. Die Primarschule dauert je nach Provinz 6 bis 8 Jahre. Es schließt sich die Sekundarschule (Highschool) an, die mit der Zugangsberechtigung für die Universität endet. Die Schulzeit umfasst insgesamt 12 Jahre, in Quebec 11 Jahre. Es gibt über 70 Universitäten; zu den größten zählen die Université de Montréal (gegründet 1878) und die University of Toronto (gegründet 1827). Die kanadische Regierung hatte ein Ziel von 220.000 Immigranten oder rund 1 % der Bevölkerung vorgegeben. Das nationale Immigrationsprogramm wurde zuletzt im Jahre 2008 überarbeitet.

Wirschaft

Die Wirtschaft Kanadas gründet sich auf ein ergiebiges und vielseitiges natürliches Potenzial, wie Bodenschätze, Holz- und Fischreichtum, fruchtbare Böden sowie günstige Energiegewinnung an Flüssen. Hinzu kommen eine moderne verarbeitende und spezialisierte Industrie sowie ein schnell wachsender Dienstleistungsbereich. Der Lebensstandard ist in Kanada einer der höchsten der Erde.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in Kanada nutzt nur etwa 7 % der Gesamtfläche (davon etwa 54 % als Ackerland) und beschäftigt weniger als 4 % aller Erwerbstätigen. Obwohl sie lediglich rund 7 % des Exportwerts erbringt, gehört Kanada zu den größten Exporteuren landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Wichtigste Ackerbaugebiete mit weitgehend mechanisiertem Anbau sind die Prärieprovinzen Manitoba, Saskatchewan und Alberta, auf die ein Großteil des Weizen-, Gerste- und Haferanbaus sowie fast der gesamte Anbau an Ölsaaten (Raps, Leinsaat, Sonnenblumen u. a.) entfallen. Obst und Gemüse werden v. a. in den atlantischen Provinzen angebaut, Tabak besonders in Ontario. Ferner besteht eine umfangreiche Viehzucht.

Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft erbringt, zusammen mit den Aufbereitungsindustrien (Sägewerke, Zellstoff-, Papierfabriken), fast 9 % des Exportwerts. Etwa 40 % der Landfläche sind mit Wald bedeckt, die Hälfte davon ist wirtschaftlich nutzbar. Vor allem an den Küsten von British Columbia wachsen außertropische Regenwälder, deren Nutzung in Kahlschlägen starke Kritik im In- und Ausland hervorgerufen hat. Strenge Richtlinien für Wiederaufforstung, Begrenzung der Kahlschläge, Kontrollen und Strafen sowie die Anlage weiterer Naturparks und Schutzgebiete sollen künftige Umweltschäden begrenzen. Hauptabnehmer der Holzprodukte sind die USA, ferner Japan und die EU.

Tierzucht und Fischfang

Wichtiger als der auch heute noch ausgeübte Pelztierfang ist die Pelztierzucht (besonders Nerze und Füchse). Die Jagd auf Sattelrobben wird hauptsächlich vor den Küsten von Neufundland und Labrador betrieben. Die Küsten Kanadas gehören zu den fischreichsten der Erde. 1977 errichtete die Regierung die 200-Seemeilen-Zone mit drastischer Einschränkung der Fangerlaubnis für ausländische Schiffe. Der größte Teil der Fänge (Kabeljau, Heringe, Rotfische, Schollen und Krustentiere im Atlantik, Lachs im Pazifik) wird exportiert.

Bodenschätze

Kanada zählt zu den führenden Bergbaunationen. Etwa 80 % der Bergbauproduktion werden exportiert. In der Förderung von Pottasche und Uran werden im internationalen Vergleich die ersten Plätze eingenommen; bei Asbest, Nickel, Zink, Gips, Platin, Kobalt, Aluminium, Molybdän und Gold werden ebenfalls gewichtige Plätze erreicht. In größeren Mengen stehen Erdgas und Erdöl zur Verfügung. Etwa 33 % des Erdöls werden aus Ölsanden gewonnen, die in der Provinz Alberta anstehen. Neben den Ölvorkommen im Westen (Provinzen Alberta, British Columbia, Saskatchewan) gibt es weitere Erdöl- und Erdgasvorkommen in der kanadischen Arktis, in Offshorefeldern vor den Provinzen Nova Scotia und Newfoundland. Die Gewinnung von Stein- und Braunkohle konzentriert sich im gebirgigen Westen von Alberta und British Columbia.

Industrie

Die Industrie (einschließlich Baugewerbe) beschäftigt rund 21 % aller Erwerbstätigen; Schwerpunkte sind Ontario und Quebec. Eine schnelle Entwicklung nahm der Westen mit British Columbia und Alberta. Die jüngere Entwicklung im industriellen Bereich wird von einer Verlagerung der Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie, wie Zellulose/Papier- und Metallindustrie, zugunsten der weiterverarbeitenden Branchen bestimmt. Bedeutend sind Fahrzeugbau, chemische Industrie, Maschinenbau, Stahlindustrie sowie zunehmend auch Schlüsselindustrien des Hightechbereiches. – Kanada gehört zu den größten Energieproduzenten der Erde und verfügt über ein riesiges Wasserkraftpotenzial. Von der installierten Energiekapazität werden 61 % von Wasserkraftwerken, 27 % von Wärmekraftwerken und 12 % in Kernkraftwerken erzeugt.

Fremdenverkehr und Handelsbilanz

Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr (zu 81 % Touristen aus den USA) liegen noch unter den Ausgaben kanadischer Touristen im Ausland, sind aber im Steigen. Bevorzugte Ziele sind die Nationalparks besonders in den westlichen Gebirgen, aber auch Toronto und Vancouver sowie Zielgebiete des berühmten »Indian Summer« im Osten des Landes. Die Handelsbilanz war in den letzten Jahren positiv. Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen von 1988 wurde 1994 durch die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) zwischen Kanada, den USA und Mexiko erweitert. Haupthandelspartner sind die USA (über zwei Drittel des Außenhandelsumsatzes), es folgen die EU-Länder und Japan.

Verkehr

Eisenbahn und Autostraßen konzentrieren sich auf den dichter besiedelten Süden; neben den beiden großen transkontinentalen Eisenbahnlinien, der staatlichen »Canadian National Railway« und der privaten »Canadian Pacific Railway«, gibt es nur einzelne Querverbindungen sowie Stichbahnen nach Norden (Gesamtlänge der Eisenbahnstrecken rund 49 000 km). Das Straßennetz umfasst 1,41 Mio. km, davon sind 35 % asphaltiert. Eine Autobahn (Transcanada Highway) verbindet seit 1962 Ostküste und Westküste (7 821 km lang). Große Bedeutung hat die Schifffahrt, besonders auf den Großen Seen und dem Sankt-Lorenz-Seeweg, sowie die Küstenschifffahrt. Die größten Häfen sind Vancouver, Sept-Îles, Saint John und Port Cartier. Ein dichtes Flugnetz überzieht das ganze Land und ist lebenswichtig für den unerschlossenen Norden. Die größten Flughäfen haben Toronto, Vancouver, Montreal, Edmonton und Calgary.

Geschichte

1497 bis 18. Jahrhundert:

Die Ostküste von Kanada war norwegischen Seefahrern (Leif Eriksson) schon um 1000 bekannt und wurde 1497 von G. und S. Caboto neu entdeckt. Zwischen 1534 und 1541 nahm J. Cartier das Gebiet des Sankt-Lorenz-Stromes für Frankreich in Besitz (»Neufrankreich«). 1608 gründete S. de Champlain die Stadt Quebec. Es entwickelte sich ein ausgedehnter Pelzhandel, der die sogenannten »Voyageurs« (Waldläufer) hervorbrachte. 1663 übernahm die französische Krone die Verwaltung der Kolonie. Vom Sankt-Lorenz-Strom aus errichteten die Franzosen eine Kette von Forts bis an die Großen Seen und in das Mississippigebiet. Die französischen Siedler gerieten in heftige Kämpfe mit den englischen Kolonien, in die auch ansässige Indianerstämme hineingezogen wurden (u. a. Irokesen als Bundesgenossen der Engländer).

Der siebenjährige Krieg und seine Folgen

Im Ergebnis des Siebenjährigen Krieges (1756–63) verlor Frankreich das östliche Kanada an Großbritannien. Die englische Quebec-Akte von 1774 sicherte den katholischen Frankokanadiern volle Religionsfreiheit zu und trug viel dazu bei, dass diese sich nicht am nordamerikanischen Unabhängigkeitskampf beteiligten. Königstreue angelsächsische Siedler (rund 40 000 »Loyalisten«) wanderten aus den USA in das Gebiet nördlich der Seen ein. Die Politik der freien Landnahme zog auch später viele amerikanische Siedler an. So entstanden zwei nach Bevölkerung, Kultur und Religion verschiedene Siedlungskerne: das vorwiegend englische Oberkanada und das französische Unterkanada (1791 Bildung entsprechender Provinzen durch den »Constitutional Act«).

19. Jahrhundert bis Zweiter Weltkrieg

1812–14 scheiterte der Versuch der USA, die britischen Besitzungen in Nordamerika zu erobern. 1840 vereinigte die britische Regierung Oberkanada und Unterkanada zu einer Provinz (mit parlamentarischer Regierung). Aufgrund des »British North America Act« schlossen sich 1867 Ontario (Oberkanada), Quebec (Unterkanada), Nova Scotia und New Brunswick zu einem Bundesstaat (Dominion of Canada) zusammen, an den 1869 die Hudson’s Bay Company ihr Gebiet (die späteren Provinzen Manitoba, Alberta und Saskatchewan) abtrat. 1871 schloss sich British Columbia, 1873 Prince Edward Island an. Der Bau von Eisenbahnen (1885 Fertigstellung der ersten kanadischen Transkontinentalbahn) ermöglichte die Besiedlung des Westens. Kanada unterstützte Großbritannien im Burenkrieg (1899–1902) und im Ersten Weltkrieg (1914–18). Durch das Statut von Westminster (1931) erhielt Kanada die Unabhängigkeit. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erklärte Kanada am 10. 9. 1939 Deutschland den Krieg und beteiligte sich 1943–45 an den militärischen Operationen in Europa.

1945 bis 2000

1945 war Kanada Gründungsmitglied der UNO und 1949 der NATO. 1949 schloss sich Newfoundland (Neufundland) Kanada als 10. Provinz an. 1957 wurden die seit Mitte der 1930er-Jahre regierenden Liberalen von den Konservativen unter J. G. Diefenbaker abgelöst. 1963 kamen die Liberalen erneut an die Macht und stellten mit L. B. Pearson (1963–68) und P. E. Trudeau (1968–79, 1980–84) die Premierminister. In der mehrheitlich von Frankokanadiern bewohnten Provinz Quebec entwickelte sich eine starke Autonomiebewegung. Versuche des 1976–85 in Quebec regierenden radikalautonomistischen »Parti Québécois«, die Provinz politisch aus dem Staatsverband Kanadas zu lösen, lehnte die Bevölkerung jedoch 1980 ab. 1982 ersetzte ein neues Verfassungsgesetz für ganz Kanada den »British North America Act« von 1867.

Nach dem Wahlsieg der Konservativen 1984 wurde B. Mulroney Premierminister (bis 1993). Eine im August 1992 zwischen Mulroney und den Regierungschefs der Provinzen ausgehandelte Verfassungsreform, die die Einheit des Landes sichern sollte und die Anerkennung Quebecs als »besondere Gesellschaft«, die Erweiterung der Verwaltungskompetenzen der Provinz sowie Autonomierechte der Ureinwohner vorsah, wurde in einem Referendum am 26. 10. 1992 abgelehnt. Im Mai 1993 unterzeichneten die Regierung und Vertreter der Eskimo (Inuit) einen Vertrag über die Schaffung eines eigenen, selbst verwalteten Territoriums in den Northwest Territories (am 1. 4. 1999 als Nunavut Territory konstituiert; Übertragung von 350 000 km2 als Eigentum an die Ureinwohner).

Vor dem Hintergrund einer anhaltenden wirtschaftlichen Rezession unterlagen die Konservativen unter Premierministerin Kim Campbell (Amtsantritt Juni 1993) bei den Parlamentswahlen im Oktober 1993 der Liberalen Partei; Premierminister wurde J. Chrétien. Seine Regierung leitete eine Neugestaltung des Finanzausgleichs zwischen den Provinzen ein. Nachdem am 30. 10. 1995 ein zweites Referendum zur Loslösung Quebecs gescheitert war, räumte 1996 ein Gesetz dieser Provinz einen Sonderstatus als »eigenständige Gesellschaft« ein und gab allen Provinzen ein Vetorecht in Fragen der Verfassung. Die vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 1997 konnte die Liberale Partei erneut für sich entscheiden (Bestätigung Chrétiens als Regierungschef).

2000 bis heute

Mit dem im Juli 2000 vom Parlament verabschiedeten »Clarity Act« wurden Sezessionsbestrebungen von Provinzen (besonders Quebecs) enge Grenzen gesetzt (Grundsatz: »klare Mehrheit« für eine »klare Referendumsfrage«). Bei vorgezogenen Parlamentswahlen am 27. 11. 2000 sicherte sich die regierende Liberale Partei mit 40,8 % der Stimmen zum dritten Mal in Folge ihre absolute Mehrheit; Chrétien behielt das Amt des Premierministers, sah sich aber v. a. aufgrund von Konflikten innerhalb des Kabinetts 2002 zu mehreren Regierungsumbildungen veranlasst.

Lachskrieg und Terror beim Nachbarn

Ein mehrjähriger Fischereistreit (»Lachskrieg«) zwischen Kanada und den USA konnte durch eine im Juni 1999 geschlossene Vereinbarung der beiden Staaten beigelegt werden. Nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. 9. 2001 setzte Kanada im Dezember 2001 ein Antiterrorgesetz (Bill C-36) in Kraft (u. a. Maßnahmen zur Überprüfung von Immigranten). Im Rahmen der Antiterrorkoalition beteiligte es sich ab Oktober 2001 mit Kriegsschiffen und ab Februar 2002 mit einem Truppenkontingent an der von den USA geführten Militäraktion in Afghanistan und ab Anfang 2002 mit einem Truppenkontingent an der dortigen internationalen Friedenstruppe (ISAF).

Verbesserung der Beziehungen zu den USA

Nach dem Rücktritt Chrétiens im Dezember 2003 folgte ihm der einen Monat zuvor zum Vorsitzenden der Liberalen Partei gewählte P. Martin als Premierminister. Bei den Parlamentswahlen am 28. 6. 2004 konnte sich die Liberale Partei zwar als stärkste politische Kraft behaupten, verlor jedoch ihre absolute Mehrheit im Unterhaus; Martin bildete daraufhin eine Minderheitsregierung und suchte in der Folgezeit außenpolitisch das u. a. durch Kanadas Nichtbeteiligung am Irak-Krieg beeinträchtigte Verhältnis zu den USA zu verbessern. Innenpolitisch unterlagen v. a. seine Vorstöße zur Dezentralisierung des Bundesstaats teilweise heftiger Kritik.

Am 28. 11. 2005 wurde die liberale Regierung Martin durch ein Misstrauensvotum der Opposition gestürzt. Die Parlamentswahlen am 23. 1. 2006 brachten nach 12 Jahren wieder die Konservativen an die Macht, die 124 Parlamentssitze erlangten, während die Liberale Partei nur 103 gewann; drittstärkste Kraft wurde der Bloc Québécois. Am 6. 2. 2006 übernahm ein von der Konservativen Partei gebildetes Minderheitskabinett unter Premierminister S. Harper die Regierung. 

Wirtschafts- und Finanzkrise

Die schwere Wirtschaftskrise ab Mitte 2007 traf die kanadische Wirtschaft trotz der engen Verflechtung mit den hauptsächlich betroffenen USA mit einiger Verzögerung. Erste Anzeichen gab es jedoch bereits 2006. Noch 2008 stieg der Ölpreis in noch nie gesehene Höhen, so dass sich die Einkommen und die Staatseinnahmen, vor allem in Alberta, weiter erhöhten.

Doch mit dem Einbruch der Finanzindustrie in Toronto, des Immobilienmarktes in den meisten Großstädten und dem Absturz des Ölpreises um zeitweise über 75 % stieg die Arbeitslosigkeit von September 2007 bis August 2009 von 5,9 auf 8,7 %, und stagniert seitdem um 8,2 bis 8,5 %. Auch andere Rohstoffindustrien wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen, ähnliches gilt für die Auto- und deren Zulieferindustrie, die stark von den US-Konzernen abhängt.

Quellenangabe: K. Lenz: Kanada. Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik; D. Morton: A short history of Canada; The illustrated history of Canada, hg. v. C. Brown; The Oxford companion to Canadian history, hg. v. G. Hallowell, Wikipedia.org