Nordamerika

Der Kontinent Nordamerika liegt nördlich des Äquators und ist der drittgrößte Kontinent der Welt.

 

Kurzübersicht des nordamerikanischen Kontinents

 

Landkarte-Nordamerikas
Die Karte von Nordamerika

Auf diesem Kontinent finden sichKanada Kanada, die USA USA, Grönland Grönland und Mexiko Mexiko.

Umgeben wird er vom arktischen, pazifischen und atlantischen Ozean sowie der Karibik. Zusammen mit Mittelamerika und Südamerika bildet dies den Doppelkontinent Amerika. Nord- und Südamerika sind beinahe direkt miteinander verbunden.

Im nördlichen Teil Amerikas liegt hier das Land Panama, das sicher einigen durch den Panama-Kanal bekannt ist. Dieser Kanal wird von der Schiffahrt benutzt, um die Strecke etwa von Japan, Australien, Ozeanien und Asien nach Europa oder auch dem westlichen Teil Südamerikas abzukürzen.

Angloamerika ist der Ausdruck für die englisch sprechenden Länder und Staaten in Nordamerika und der Karibik. Hierzu gehört auch Kanada, obwohl es dort auch einen französisch sprechenden Teil gibt. Woher der Name Amerika wirklich stammt, wurde bereits in einem anderen Artikel versucht, zu erklären.

 

Ausführliche Darstellung Nordamerikas

 

Nordamerika, der nördliche Teil Amerikas, ein Erdteil, umfasst außer dem Festland mit dem im Norden vorgelagerten Kanadisch-Arktischen Archipel Grönland, das französische Überseedépartement Saint-Pierre-et-Miquelon (vor der Küste Kanadas) und die britischen Bermudainseln (im Atlantik, rund 1 000 km östlich von Kap Hatteras, USA), insgesamt 21,8 Mio. km2.

Lage: Nordamerika grenzt im Norden an das Nordpolarmeer (83° 07′ nördlicher Breite, nördlichster Punkt Kanadas auf Ellesmere Island; nördlichster Punkt Grönlands: 83° 39′ nördlicher Breite), im Osten ist es vom Atlantischen Ozean, im Westen vom Pazifischen Ozean umgeben. Eine physisch-geografische Südgrenze Nordamerikas wird vielfach im Bereich des Isthmus von Tehuantepec, also innerhalb Mexikos, gezogen, kulturell gehört Mexiko jedoch zu Lateinamerika. Unter Ausschluss Mexikos ist der südlichste Punkt Nordamerikas die Südspitze Floridas (25° 07′ nördlicher Breite). Die Entfernung zwischen dem nördlichsten Punkt auf Ellesmere Island und der mexikanischen Grenze beträgt rund 6 500 km, die Ost-West-Erstreckung auf der Höhe der Insel Neufundland rund 5 500 km Luftlinie.

Oberflächengestalt: Nordamerika wird auf der Westseite von parallelen Ketten (bis 1 700 km breit) junger Faltengebirge durchzogen, den Kordilleren, die große Hochlandbecken (u. a. Großes Becken) und Plateaus sowie die Rocky Mountains einschließen und im Mount McKinley (Alaskakette) 6 198 m über dem Meeresspiegel erreichen. Auf der Ostseite des Kontinents zieht sich das Rumpfgebirge der Appalachen von Nordosten nach Südwesten. Dazwischen erstrecken sich zwischen Nordpolarmeer und Golf von Mexiko ohne West-Ost-streichende Gebirgsschranken ausgedehnte Flachländer und Plateaus, die Inneren Ebenen: im Westen das Tafelland der Prärien (Great Plains), im Nordosten das Zentrale Tiefland um die Großen Seen, in dessen Untergrund sich das Gestein des Kanadischen Schildes (der sich von allen Seiten zur Hudson Bay hin senkt) fortsetzt, südlich davon das Mississippibecken. Im Südosten und Süden an Atlantik- und Golfküste sind junge Schwemmlandebenen aufgeschüttet. Über die Hälfte der Oberfläche Nordamerikas ist eiszeitlich geformt (viele Seen, mächtige Lössdecken). Auf den Kanadisch-Arktischen Archipel und Grönland entfallen 16,7 % der Gesamtfläche Nordamerikas. Die Küsten sind im Norden Fjord- und Schärenküsten, im Nordosten meist niedere Felsküsten, im Südosten und Süden überwiegend flache Anschwemmungsküsten. Die Gebirgsküsten des Westens sind im Norden von vielen Inseln und Fjorden gegliedert, nach Süden fast ungegliedert. – Größte Flüsse sind der Mississippi, der mit Missouri und Ohio rund 15 % der Fläche zum Golf von Mexiko entwässert, der Mackenzie, der ins Nordpolarmeer mündet, und der Sankt-Lorenz-Strom, der Abfluss der Großen Seen zum Atlantik ist.

Klima: Nordamerika hat Anteil an fast allen Klimazonen der Erde. Der Norden mit Alaska und dem Kanadisch-Arktischen Archipel hat Polarklima. Die Ostseite ist im Norden feucht-kühl, im Süden (Florida) sub- bis randtropisch; die Westküste hat warmgemäßigtes Klima. Das Binnenland hat Kontinentalklima mit heißen Sommern und kalten Wintern. Zeitweise dringen vom Golf von Mexiko Hitzewellen weit nach Norden, von der Hudson Bay und vom Nordpolarmeer Kaltluftströme nach Süden vor. Häufig treten Tornados und Hurrikane auf.

Vegetation und Tierwelt: Vegetation und Tierwelt folgen den Abstufungen des Klimas. Auf eine Tundrazone im hohen Norden (mit Eisbären, Rentieren, Moschusochsen u. a.) folgt ein breiter Waldgürtel, der zunächst aus Nadelhölzern, Erlen und Birken (mit Pelztieren) besteht und im Süden in Laubwald (mit Grizzlybären, Wölfen, Wapitihirschen, Skunks u. a.) übergeht. Im Innern breiten sich weite Grassteppen (Prärien) und Wüsten aus, einst reich an Steppentieren, wie Bison, Antilope, Puma, Präriewolf, Nagetieren (z. B. Präriehund), Schlangen. Immergrüne Wälder in den südlichen atlantischen Küstenebenen und am Golf von Mexiko sind mit Palmen gemischt.

Bevölkerung: Die ursprüngliche Bevölkerung (Indianer, Eskimo) wurde größtenteils von den Eroberern ausgerottet oder ging an eingeschleppten Krankheiten zugrunde; teilweise vermischte sie sich mit den Einwanderern und den besonders in den Süden und Osten des Kontinents als Sklaven verschleppten Schwarzen; in Kanada und den USA leben noch rund 3,3 Mio. Indianer (vorwiegend in Indianerreservationen), Inuit (Eskimo) und Aleuten. Der größte Teil der Bevölkerung Nordamerikas besteht aus Nachkommen eingewanderter Europäer; die Hauptsprachen sind Englisch und Französisch. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte ist, verglichen mit den westeuropäischen Industriestaaten, sehr gering; auf der Ostseite Nordamerikas gibt es jedoch äußerst dicht besiedelte Ballungsgebiete.

Nordamerika: Entdeckung und Erforschung

Kolonialgeschichte: Neben Spanien, Großbritannien und Frankreich waren auch die Niederlande, Schweden und Russland an der Kolonisation beteiligt. Die Indianer, von Anfang an in die Kolonialrivalitäten einbezogen (besonders in die britisch-französischen Kämpfe, an denen Indianer auf beiden Seiten teilnahmen), wurden immer mehr aus ihren angestammten Gebieten verdrängt und durch Kriege dezimiert. Demgegenüber trat der zivilisatorische Effekt der europäischen Besiedlung stark zurück (Missionsversuche, Handel, Übernahme des Pferdes von den Spaniern). Von Anfang an wehrten sich die Indianer gegen Landraub und Entrechtung.

Spanische Kolonialgeschichte: Neben Mexiko waren Florida und der Südwesten spanische Kolonialgebiete. 1513 entdeckte J. Ponce de León Florida (1565 Entstehung von Saint Augustine als erste ständige Siedlung); 1698 wurde Pensacola gegründet. Zu einer Besiedlung des Südwestens kam es erst ab Ende des 16. Jahrhunderts unter J. de Oñate (1609 Gründung von Santa Fe, 1690 Inbesitznahme von Texas). Ein zweiter Vorstoß spanischer Machtausweitung erfolgte an der pazifischen Küste: 1769 wurde San Diego gegründet, 1776 San Francisco. – Nach dem Ende des britisch-französischen Kolonialkrieges erhielt Spanien 1762 in einem Geheimvertrag das westliche Louisiana, das heißt alle Gebiete westlich des Mississippi einschließlich New Orleans und Saint Louis.

Französische Kolonialgeschichte: Mit der Gründung der Niederlassung Quebec (1608) am Sankt-Lorenz-Strom leitete S. de Champlain die französische Besiedlung von Neufrankreich ein. Wohl schon in den 1630er-Jahren war die Green Bay am Ostufer des Michigansees erreicht. Als der Einsatz französischer Truppen 1665/66 die Irokesen zum Rückzug zwang und den Weg nach Westen öffnete, stand den Franzosen der Weg zum Mississippi offen.

Englische/britische Kolonialgeschichte: England begann als letzte westeuropäische Nation mit der Errichtung eines eigenen Kolonialreiches in Nordamerika; dabei wandte es sich fast ausschließlich den Küsten des östlichen Nordamerika zu. 1607 wurde die Siedlung Jamestown gegründet, die Keimzelle von Virginia. 1620 landeten die Pilgerväter mit der »Mayflower« an der Stelle des heutigen Plymouth; für die weitere Entwicklung in Neuengland wurde jedoch die bald darauf gegründete Kolonie der Puritaner an der Massachusetts Bay bestimmend; 1636 wanderten von dort unzufriedene Puritaner aus und gründeten die Kolonie Providence – Rhode Island, die erste amerikanische Kolonie, in der religiöse Toleranz oberstes Gesetz war. Andere gründeten um 1635 Connecticut und 1638 New Haven. Weitere Kolonien entstanden durch lebenslängliche Landvergabe an einzelne oder mehrere Adlige (z. B. Maryland, Georgia). – Während in Neuengland Schiffbau, Handel und Ackerbau florierten, gingen die südlichen Kolonien bald zum Import von schwarzen Sklaven über, um große Gebiete urbar machen zu können; der Einsatz von Sklaven begünstigte dann die Entstehung großer Plantagen. – Zwischen 1660 und 1760 fand eine ständige Bewegung der Kolonisten nach Westen statt. Nachdem die Siedler das für den Ackerbau geeignete Land in der Atlantischen Küstenebene in Besitz genommen hatten, begannen sie, in ständigem Kampf mit den Indianern über die Fall Line in das Piedmont Plateau einzudringen. – Eine Reihe von Rebellionen im 17. und 18. Jahrhundert nahm die britische Regierung zum Anlass, Sonderrechte der Kolonien zu beseitigen: Bis auf Maryland und Pennsylvania sowie Rhode Island und Connecticut konnte Großbritannien bis 1763 alle Kolonien zu königlichen Provinzen machen.

Britisch-französischer Kolonialkonflikt: Im hohen Norden kam es zur ersten großen, direkten Konfrontation beider Länder in Nordamerika, die 1713 mit dem Frieden von Utrecht endete, in dem Frankreich den Besitz der 1670 gegründeten Hudson’s Bay Company bestätigen und Teile von Akadien an Großbritannien abtreten musste. Frankreich suchte seinen Besitz durch Festungen und Stützpunkte zu sichern. 1754 begannen Kolonialtruppen aus Virginia unter der Führung von G. Washington in das Tal des Ohio einzudringen. Sie wurden von den Franzosen zurückgeschlagen. Im Verlauf der Auseinandersetzung errang Großbritannien dennoch die Herrschaft über die Mündung des Sankt-Lorenz-Stromes und konnte nun Neufrankreich von seiner direkten Verbindung zum Mutterland abschneiden. Über diesen Strom erfolgte dann auch 1759 der entscheidende Angriff der britischen Flotte auf Quebec, das am 13. 9. fiel. 1763 bestätigte Frankreich im Frieden von Paris den Verlust seiner Territorien in Nordamerika: Die Gebiete östlich des Mississippi trat es an Großbritannien, die Gebiete westlich des Mississippi an Spanien ab. – Zur weiteren nordamerikanischen Geschichte Kanada, Mexiko, Vereinigte Staaten von Amerika.

Sekundärliteratur: B. Hofmeister: Nordamerika; B. M. Fagan: Das frühe Nordamerika. Archäologie eines Kontinents; C. W. Ceram: Der erste Amerikaner. Die Entdeckung der indianischen Kulturen in Nordamerika; W. Arens u. H.-M. Braun: Die Indianer Nordamerikas. Meyers Lexikon, Abschnitt über Nordamerika.