Mexiko, auch gerne Mexico geschrieben,ist ein nordamerikanischer Staat, der im Norden an die Vereinigten Staaten von Amerika, im Süden an Belize und Guatemala grenzt. Westlich von Mexiko befindet sich der Pazifik und im Osten liegen der Golf von Mexiko und das Karibische Meer.

Fläche 1 964 375 km2
Einwohner (2013) 122,3 Mio.
Hauptstadt Mexiko
Verwaltungsgliederung 31 Bundesstaaten, 1 Bundesdistrikt
Amtsprache Spanisch
Nationalfeiertag 16. 9.
Währung 1 Mexikanischer Peso (mex$) = 100 Centavo (¢)
Zeitzone MEZ − 7 Stunden

spanisch México, amtlich Estados Unidos Mexicanos, deutsch Vereinigte Mexikanische Staaten. Außer zahlreichen küstennahen Inseln gehören zu Mexiko noch die pazifischen Inseln Isla de Guadalupe (264 km2) und Islas Revillagigedo (830 km2).

Flagge von Mexiko

Nationalflagge Mexikos

Der höchste Punkt Mexikos ist mit 5.636 Meter der auf der Grenze zwischen den Bundesstaaten Puebla und Veracruz liegende Vulkan Citlaltépetl. Der tiefste Punkt ist mit zehn Metern unter dem Meeresspiegel Mexicali, die Hauptstadt des Bundesstaates Baja California. Die größten und bedeutendsten Städte Mexikos sind Mexiko-Stadt, Guadalajara, Puebla, Ciudad Juárez, Tijuana, Monterrey, León und Cuernavaca.

Stand 2013 leben über 122 Millionen Menschen im Land, dessen Landessprache Spanisch ist. Die Hauptstadt des Landes ist zudem die größte des Landes, Mexiko-City. Cancun und Acapulco sind die zwei bekanntesten Orte, neben der Hauptstadt.

Die größten Städte Mexikos, allesamt Millionenstädte, sind Mexiko-Stadt, Guadalajara, Monterrey, Ecatepec, Puebla, Nezahualcóyotl, Juárez, Tijuana, León und Zapopan. Sie befinden sich überwiegend im Landesinneren, dagegen sind die Küstengebiete eher dünn besiedelt. Zudem gibt es in Mexiko ein Gefälle zwischen Zentrum und Peripherie, in dem Mexiko Stadt deutlich dominiert. Die Metropolregion fasst 18 Prozent der Gesamtbevölkerung Mexikos. Daneben ist es das wirtschaftliche Zentrum, das etwa ein Drittel des Dienstleistungs- und Handelssektors und zwei Drittel der Vermögenswerte auf sich vereint.

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Mexican tacos

Zwei Drittel des Etats für das höhere Schulwesen Mexikos und drei Viertel des Forschungsetats werden in Mexiko-Stadt investiert. Mexiko ist eines jener zwölf Länder, die man zu den so genannten „Biodiversitäts-Hotspots“ zählt. Mexiko beheimatet 200.000 verschiedene Spezies, das sind zehn bis zwölf Prozent aller weltweit vorkommenden Arten. Mexiko nimmt mit 763 bekannten Arten den ersten Platz bezüglich der Artenvielfalt bei den Reptilien ein, mit 448 Arten den zweiten Platz bei den Säugetieren und mit 290 bekannten Arten den vierten Platz bei den Amphibien. Die Flora umfasst 26.000 verschiedene Spezies. Etwa 2500 Arten sind gesetzlich geschützt.

Die Volkswirtschaft von Mexiko erreichte 2002 mit etwa 640 Milliarden US$ den 10. Platz in der Weltrangliste und ist damit führend in Lateinamerika. Mexiko belegt momentan Rang 8 der Export-Weltrangliste. Das Bruttoinlandsprodukt (571 Milliarden Euro, bei 37,73 Millionen Beschäftigten im Jahr 2004) teilt sich auf in:

* Landwirtschaft: Vier Prozent des BSP werden erwirtschaftet durch 18 Prozent der Beschäftigten
* Industrie: 27,2 Prozent des BSP werden erwirtschaftet durch 24 Prozent der Beschäftigten
* Dienstleistung: 68,8 Prozent des BSP werden erwirtschaftet durch 58 Prozent der Beschäftigten

Mexikos Wirtschaft wurde seit den 1990er Jahren stark dereguliert und privatisiert. Die Dominanz privater Firmen wächst ständig und die Privatisierung von Eisenbahn, See- und Flughäfen geht ihrem Ende entgegen, ebenso wie die weitere Privatisierung der Banken. Die Liberalisierung des Energiesektors schreitet weiter voran. In den Bereichen Telekommunikation und Petrochemie stehen noch Reformen aus. Die Maquiladora-Industrie verstärkte ihre Position in der mexikanischen Wirtschaft und dominiert vor allem den Textilsektor.

Wie groß ist Mexiko?

Der größte Teil von Mexiko (88 %) ist dem nordamerikanischen Kontinent zugeordnet, während der südliche Teil bereits zur Landbrücke Zentralamerikas zählt. Das Land ist mit einer Fläche von 1.972.550 km² fast sechs Mal so groß wie Deutschland, wobei 1.923.040 km² auf Land, 49.510 km² auf Wasser und über 5000 km² auf unbewohnte Inseln entfallen.

In Bezug auf die Fläche nimmt Mexiko weltweit den 14. Platz ein. Mexiko ist über 3000 km lang und hat eine Breite von 200 km bis 2000 km. Im Nordwesten befindet sich die Halbinsel Niederkalifornien mit einer Länge von 1200 km, im Osten grenzt die Halbinsel Yucatán, die sich Mexiko mit Guatemala und Belize teilt, an den Golf von Mexiko.

Die Gesamtlänge der Landesgrenze beträgt 4538 Kilometer, davon entfallen 3326 km gemeinsame Grenze mit den USA im Norden des Landes. Weiterhin grenzt Mexiko im Südosten an Guatemala mit 962 km und an Belize (250 km). Es besitzt 12.540 km Meeresküste, davon 8200 km am Pazifik und 3200 km am Atlantik. Ab der Küste seewärts besitzt Mexiko bis 200 Seemeilen (370 km) exklusive Nutzungsrechte.

Woher kommt der Name und wie ist Mexiko geologisch aufgebaut?

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Strandidylle in Mexiko

Das Land ist nach der Hauptstadt der Azteken, Mexico-Tenochtitlan (jetzt Mexiko-Stadt), benannt. Für die Herkunft der Bezeichnung Mexico gibt es verschiedene, aber unbefriedigende Erklärungen. Nach einer Erklärung stammt der Teil von mĕtl, was die Agavenpflanze (auch: Maguey) bezeichnet. Der Teil soll von xīctli (Nabel) abgeleitet sein und zusammen mit dem im Nahuatl häufigen Ortssuffix co beziehungsweise ko die Bezeichnung Der Platz, wo der Nabel (der Mittelpunkt) der Maguey liegt ergeben.

Der größte Teil Mexikos besteht aus einem Hochlandblock, der an markanten Bruchlinien im Osten und Westen herausgehoben wurde. Die Randgebirge sind sehr unterschiedlich gestaltet: Die Sierra Madre Oriental im Osten setzt sich aus parallel streichenden Faltenzügen und steil aufragenden Schichtrippen der Jura- und Kreideformation zusammen. Dagegen baut sich die Sierra Madre Occidental im Westen aus flach lagernden vulkanischen Decken des Tertiärs auf. Beide erscheinen von den hügeligen Küstentiefländern aus als hohe Gebirgsmauern.

Das Hochland erreicht an der Grenze zu den USA 1200 m Meereshöhe. An die Sierra Madre Occidental schließt sich südlich die Cordillera Neovolcánica an, die aus vulkanischen Ablagerungen aus der Zeit des Pliozän bis Quartär besteht und nicht nur durch Riesenvulkane, sondern zusätzlich durch eine Vielzahl von vulkanischen Kegeln und Kratern geprägt ist. Sie bildet den Südrand des Hochlandblocks, der in einer Bruchstufenzone rund 1000 m tief zur Senke des Río Balsas abbricht. Im Süden befindet sich die Sierra Madre del Sur westlich der Sierra Madre de Chiapas. Nordöstlich vorgelagert ist die Halbinsel Yucatán, deren größter Teil zu Mexiko gehört. Sie besteht aus einer Kalksteintafel, die seit dem Tertiär aus dem Meer herausgehoben wurde.

Die höchsten Erhebungen des Landes findet man am Transmexikanischen Vulkangürtel, auch Sierra Nevada genannt: den Citlaltépetl (5636 m), auch als Pico de Orizaba bezeichnet, den höchsten Berg in Mexiko, den derzeit aktiven Popocatépetl (5462 m), den Iztaccíhuatl (5230 m) und den Nevado de Toluca (4680 m).

Drei wichtige Metropolregionen von Mexiko liegen in den Tälern zwischen diesen vier Vulkanbergen: Mexiko-Stadt, Puebla und Toluca.

Staatsrecht

Nach der Verfassung von 1917 (mehrfach, zuletzt 2005, geändert) ist Mexiko eine präsidiale Bundesrepublik. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und oberster Inhaber der Exekutive (Regierungschef) ist der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Präsident (auf 6 Jahre direkt gewählt, keine Wiederwahlmöglichkeit). Der Präsident ernennt und entlässt die Mitglieder des Kabinetts. Die Legislative liegt beim Kongress, bestehend aus Senat (128 Mitglieder, für 6 Jahre gewählt) und Abgeordnetenkammer (500 Abgeordnete, davon 300 für 3 Jahre direkt gewählt; 200 Sitze werden nach dem Verhältniswahlsystem über Regionallisten besetzt). Auslandsmexikaner haben seit 2005 ein Wahlrecht. – Einflussreichste Parteien: Partei der Nationalen Aktion (PAN), Partei der Demokratischen Revolution (PRD), Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI), Grüne Partei (PVEM), Konvergenz (C), Arbeiterpartei (PT), Partei Neue Allianz (PANAL). – Die Bundesstaaten, an deren Spitze Gouverneure stehen, verfügen über eigene Verfassungen sowie Exekutiv- und Legislativo.

Landesnatur

Das Staatsgebiet Mexikos bildet in klimatischer wie in geologisch-geomorphologischer Hinsicht einen Übergang zwischen dem nordamerikanischen Kontinent und der zentralamerikanischen Landbrücke. Der sich von Norden zum Isthmus von Tehuantepec nach Süden auf etwas über 200 km Breite verschmälernde Hochlandblock des nördlichen und zentralen Mexiko ist im Westen (Sierra Madre Occidental, bis 3 150 m über dem Meeresspiegel) und Osten (Sierra Madre Oriental, bis 4 056 m über dem Meeresspiegel) von Randgebirgen umsäumt. Den südlichen Abschluss bildet die transkontinentale Vulkanzone der Cordillera Neovolcánica (Cordillera Volcánica) mit den Vulkanen Ixtaccíhuatl (5 286 m über dem Meeresspiegel), Popocatépetl (5 452 m über dem Meeresspiegel) und dem höchsten Berg Mexikos, dem Citlaltépetl (Pico de Orizaba; 5 700 m über dem Meeresspiegel); sie fällt nach Süden zur Senke des Río Balsas (Gran Valle del Sur) ab.

Jenseits des Isthmus von Tehuantepec erstreckt sich das Gebirgsland von Chiapas. Im Norden schließt die Kalktafel der Halbinsel Yucatán an. Tiefland gibt es nur im Westen als schmalen, im Osten als breiteren Küstensaum und auf der Halbinsel Yucatán. Die schmale, gebirgige Halbinsel Niederkalifornien ist im Norden der pazifischen Küste vorgelagert. Hauptfluss ist der Río Grande del Norte (Grenzfluss gegen die USA). – Das Klima ist tropisch bis subtropisch, im Norden kontinental trocken mit starken Temperaturschwankungen und kühlen Wintern (kalte Stürme, die »Nortes«), im Süden gleichmäßiger warm bis heiß mit stellenweise reichen Niederschlägen und klimatischen Höhenstufen; bis 800 m über dem Meeresspiegel reicht die heiße Zone (Tierra caliente), bis 1 700 m über dem Meeresspiegel die gemäßigte (Tierra templada), darüber die kühle (Tierra fría) und auf hohen Bergen die kalte Zone (Tierra helada). In der Pflanzenwelt herrschen Dornstrauch- sowie Sukkulentenformationen mit Kakteen-, Agaven- und Yuccaarten vor. Tropische Regenwälder gibt es nur an den feuchtesten Gebirgshängen im Süden, in trockeneren Lagen Buschwald und Savanne, in höheren Lagen Laub- und Nadelwälder bis zur Baumgrenze (4 400 m über dem Meeresspiegel).

Bevölkerung

Den weitaus größten sowie wirtschaftlich, kulturell und politisch bedeutendsten Teil stellen die Mestizen (75 %), bei denen wiederum die mit vorherrschendem europäischem Erbteil überwiegen. Von den Indianern (weniger als 15 %) sind Azteken, Maya, Otomí, Zapoteken, Mixteken, Totonaken und Tarasken die größten Gruppen. Der Anteil der Weißen beträgt 10 %, der der Schwarzen und Mulatten an der Gesamtbevölkerung ist sehr gering und geht weiter zurück. – Mexiko ist nach Brasilien das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas; die Zuwachsrate hat sich zwar vermindert, ist aber mit 2,1 % pro Jahr immer noch hoch. Die Bevölkerungszahl hat sich seit 1940 (19,7 Mio. Einwohner) mehr als verfünffacht. 35 % der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Ein Teil der Arbeitslosen bemüht sich seit Jahrzehnten, in die USA auszuwandern oder dort wenigstens vorübergehend als Landarbeiter unterzukommen, zum Teil auch auf illegalem Weg (»Wetbacks« oder »Mojados«). Die Zahl der legal und illegal in den USA lebenden mexikanischen Migranten liegt bei fast 10 Mio., davon sollen ca. 4,5 Mio. illegal in den USA leben. Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleichmäßig.

Bei einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 52 Einwohnern je km2 leben in der Zentralregion (Bundesdistrikt und zehn umliegende Bundesstaaten) auf rund 14 % der Fläche mehr als die Hälfte aller Einwohner. V. a. durch die Landflucht wuchs der Anteil der städtischen Bevölkerung auf über drei Viertel der Gesamtbevölkerung, allein in der Hauptstadt leben fast 20 %. – Über 95 % der Bevölkerung sind Christen (ganz überwiegend [rund 89 %] Katholiken). Nicht christliche Religionsgemeinschaften bilden die Muslime (rund 260 000), Juden (rund 41 000) und Bahais (rund 39 000). Traditionelle indianische Religionen haben sich in Teilen der indianischen Bevölkerung erhalten beziehungsweise sind in vielfältiger Form in den besonders auf dem Lande praktizierten Volkskatholizismus eingeflossen. Seit 1855 besteht die gesetzliche Trennung von Staat und Kirche. – Es besteht allgemeine Schulpflicht im Alter von 6 bis 15 Jahren, dieser vorgeschaltet ist ein obligatorisches Vorschuljahr. Die Alphabetisierungsrate wird auf (2004) 88 % (alle über 15 Jahre) beziehungsweise 95 % (15- bis 24-Jährige) geschätzt. Es gibt zahlreiche Universitäten, Akademien, technische Einrichtungen und private Institute; rund 150 dieser Einrichtungen können als Hochschulen im europäischen Verständnis gezählt werden. Die älteste und größte Universität Mexikos ist die Universidad Nacional in der Hauptstadt (gegründet am 21. September 1551).

Wirtschaft

Mexiko zählt heute nach seinem Bruttonationaleinkommen pro Kopf zu den Schwellenländern. Infolge der Expansion des Erdölsektors seit den 1970er-Jahren hat sich die Wirtschaftsstruktur stark verändert. Mexiko hat seit 2001 Brasilien als größte lateinamerikanische Volkswirtschaft abgelöst, hat aber unter den Entwicklungsländern neben Brasilien und China die höchsten Auslandsschulden. Durch Reprivatisierung großer staatlicher Industrieunternehmen und erhöhte Auslandsinvestitionen soll die Wirtschaft stabilisiert werden. Die u. a. mit dem Inkrafttreten der NAFTA verbundene Liberalisierung der Wirtschaft brachte aber auch gravierende soziale Folgen mit sich. – Mexiko ist reich an Bodenschätzen. Weltwirtschaftlich bedeutsam ist die Produktion von Silber und Wismut (jeweils weltweit an 1. Stelle) sowie Blei, Zink, Kupfer, Mangan, Cadmium, Gold, Schwefel, Eisenerz, Steinkohle u. a. Reiche Erdöl- und Erdgasfelder liegen im Golfküstenbereich (Förderung seit 1901). Der nach Verstaatlichung der Erdölindustrie (1938) erfolgte Rückgang in der Förderung konnte Mitte der 1970er-Jahre durch die Erschließung neuer Felder, v. a. im Schelfbereich, gestoppt werden. Mexiko hat einen Anteil von rund 5 % der Weltproduktion von Erdöl, von rund 2 % der Weltproduktion von Erdgas. Förder- und Verarbeitungszentren sind durch Pipelines verbunden. Größtes Industriezentrum ist die Hauptstadt, daneben sind Guadalajara und Monterrey wichtige Industriestandorte. Die Grundstoffindustrie ist weitgehend noch verstaatlicht. Eine wichtige Rolle spielt die entlang der Grenze gegen die USA angesiedelte Lohnveredelungsindustrie (»maquiladora«).

In der Landwirtschaft arbeiten rund 18 % der Erwerbstätigen. Etwa die Hälfte der Gesamtfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Ackerbau ist vielfach nur mithilfe von Bewässerung möglich. Im Süden des zentralen Hochlands und in der Cordillera Volcánica wird Regenfeldbau betrieben. 1910 gehörten noch 98 % des Bodens Großgrundbesitzern. Bei der Verteilung des seit 1917 durch Agrarreformgesetze enteigneten Landes wurde das alte indianische Gemeindeeigentum in Form landwirtschaftlicher Genossenschaften (Ejidos) bevorzugt, die aber immer mehr individualisiert werden. Die Verfassungsänderung des Jahres 1992 hat die Landverteilung für beendet erklärt und den Mitgliedern der Ejidos das freie Verfügungsrecht über ihre Parzellen zugestanden. Die Agrarreform verbesserte die soziale Lage der Landbevölkerung, der gesamtwirtschaftliche Nutzen ist jedoch gering, da viele Kleinbetriebe nur für die Selbstversorgung arbeiten. Grundnahrungsmittel sind Mais, Bohnen, Weizen, Gemüse und Obst, jedoch müssen Lebensmittel zusätzlich eingeführt werden. Exportorientiert ist der Anbau von Gemüse (insbesondere Tomaten), Obst, Kaffee, Zuckerrohr, Kakao, Tabak und Baumwolle. Bedeutung haben die Schweine- und Geflügelhaltung. In der Forstwirtschaft spielen neben dem Holzeinschlag auch Harz-, Faser-, Chicle- und Gerbstoffgewinnung eine Rolle. Die Fischerei (v. a. Krabben und Thunfisch) wird staatlich gefördert, die Fischereigrenze wurde 1976 auf 200 Seemeilen ausgedehnt. Mexiko ist eines der bedeutendsten Touristenländer Lateinamerikas. Hauptanziehungspunkte sind neben den pazifischen Badeorten v. a. die archäologischen Stätten alter indianischer Kulturen. – Ausgeführt werden Produkte der verarbeitenden Industrie, Bergbauprodukte und Agrarprodukte, eingeführt Maschinen und Apparate, Eisen und Stahl, feinmechanische und optische Erzeugnisse, Kunststoffe, Agrarprodukte u. a. Die wichtigsten Handelspartner sind die USA, Japan, Deutschland und China.

Verkehr

Wichtigster Verkehrsträger ist der Kraftverkehr (mehr als 80 % des Personen- und Güterverkehrs). Von 330 000 km Straßen sind rund ein Drittel asphaltiert. Wichtigste Verbindung ist der 3 500 km lange mexikanische Anteil an der transkontinentalen Carretera Panamericana; Autobahnnetz: rund 6 400 km. Das verstaatlichte, stark modernisierungsbedürftige Eisenbahnnetz ist 19 500 km lang. Wichtigste Seehäfen an der Golfküste sind Tampico, Tuxpán de Rodríguez Cano, Veracruz, Coatzacoalcos, Progreso und der Erdölhafen Dos Bocas; an der Pazifikküste Ensenada, Guaymas, Mazatlán, Manzanillo, Acapulco und Salína Cruz. Der größte internationale Flughafen ist Benito Juárez in der Hauptstadt Mexiko, gefolgt von Guadalajara und Acapulco.

Geschichte

13. bis 17. Jahrhundert

Die vorkoloniale Geschichte Mexikos war von den mesoamerikanischen Hochkulturen bestimmt. 1519–21 eroberte H. Cortez unter Ausnutzung einheimischer Rivalitäten das Aztekenreich für die spanische Krone; 1536 wurde das Vizekönigreich Neuspanien begründet, das Zentrum der spanischen Herrschaft in Mittel- und Nordamerika, besonders wichtig wegen seines Silberreichtums. Die Grenzen Neuspaniens wurden nach Norden in die Gebiete des heutigen Texas, New Mexico und Kalifornien verschoben. Nach dem durch Seuchen bedingten Rückgang der indianischen Bevölkerung stieg die Einwohnerzahl seit dem 17. Jahrhundert an. Die Bevölkerung der Kolonialzeit gliederte sich in gebürtige Spanier und deren Nachfahren (Kreolen), eine zunehmende Zahl von Mestizen, die immer stärker für ihre soziale Anerkennung kämpften, und eine Vielzahl indianischer Völker.

19.Jahrhundert

Der Sturz der Bourbonen in Spanien (1808) förderte die Unabhängigkeitsbestrebungen. Sie kamen im Aufstand von 1810–15 unter der Führung der Priester M. Hidalgo und J. M. Morelos zum Ausbruch (1813 Unabhängigkeitserklärung und republikanische Verfassung). Der Aufstand wurde niedergeschlagen, doch als 1820 in Spanien liberale Kräfte die Macht erlangten, erhoben sich die Konservativen in Mexiko dagegen. Der kreolische Offizier A. de Itúrbide setzte sich an die Spitze der Bewegung und ließ sich 1822 als Augustin I. zum Kaiser ausrufen. Ein erneuter Aufstand zwang ihn schon 1823 zur Abdankung. Die folgenden Jahrzehnte waren gekennzeichnet durch Unruhen und häufigen Regierungswechsel zwischen Anhängern eines Zentralstaates und Föderalisten. Zwischen 1833 und 1854/55 herrschte General A. López de Santa Anna (dreimal Präsident, seit 1853 Diktator). Im Krieg gegen die USA 1846–48 verlor Mexiko etwa die Hälfte seines Territoriums.

1855 wurde eine neue, liberale Verfassung angenommen, die v. a. die Trennung von Kirche und Staat vollzog. Der Widerstand konservativer Kreise führte zum Bürgerkrieg (1857–60); nach der Einstellung der Zinszahlungen für die Auslandsschulden durch Präsident B. Juárez García 1861 intervenierten Großbritannien, Spanien und Frankreich gegen die Umsetzung des zweijährigen Moratoriums. Auf Drängen Napoleons III. ließ sich der österreichische Erzherzog Maximilian 1863 zum Kaiser von Mexiko ausrufen. Sein Versuch einer Politik des Ausgleichs misslang; nachdem sich die französischen Truppen 1866 unter dem Druck der USA zurückgezogen hatten (die britischen und spanischen Truppen bereits 1862), eroberten die Anhänger von Juárez García wieder das Land, nahmen Maximilian gefangen und erschossen ihn (1867). 1876 gelangte durch Staatsstreich General P. Díaz für 35 Jahre an die Macht. Er ordnete die Staatsfinanzen und führte einen wirtschaftlichen Aufschwung herbei, indem er nordamerikanisches Kapital nach Mexiko zog. Soziale Reformen wurden jedoch zurückgestellt, die indianische Bevölkerung lebte weiter in Abhängigkeit.

20. Jahrhundert

1910 brach eine Revolution aus, die sich zum Kampf der Campesinos um Land entwickelte. Ihre Führer waren E. Zapata und F. »Pancho« Villa. 1911 wurde F. Madero zum Präsidenten gewählt, 1913 mithilfe der USA gestürzt (kurz darauf ermordet). Aus blutigen Machtkämpfen ging 1917 V. Carranza (ermordet 1920) als Sieger hervor. In der neuen Verfassung waren u. a. eine Agrarreform und das nationale Verfügungsrecht über die Bodenschätze festgelegt. Nach 1920 beruhigte sich die Lage. 1928 wurde die Nationalrevolutionäre Partei (seit 1946 Partei der Institutionellen Revolution, PRI) gegründet, die für Jahrzehnte beherrschende politische Kraft. L. Cárdenas (1934–40 Präsident) enteignete 1938 die ausländischen Erdölgesellschaften. 1942 trat Mexiko an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Der in den 1930er-Jahren begonnene wirtschaftliche und soziale Wandel setzte sich nach dem Krieg fort, kennzeichnend blieb dabei die Einflussnahme des Staates auf die Wirtschaft. Nach 1970 machte sich eine schwere Wirtschaftskrise bemerkbar. Präsident J. López Portillo (1976–82) musste im September 1982 die Zahlungsunfähigkeit erklären. 1988 wurde C. Salinas de Gortari zum Präsidenten gewählt. Er reformierte das mexikanische System der Verquickung von Staat, PRI und Wirtschaft, begann ein umfangreiches Privatisierungsprogramm und milderte die antiklerikalen Bestimmungen der Verfassung.

Seit 1989 haben neben der PRI auch andere Parteien am politischen Leben teil. Bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen im August 1994 setzte sich jedoch mit E. Zedillo Ponce de León wieder ein PRI-Kandidat durch. Anfang Januar 1994 brach mit dem Aufstand der indianischen Befreiungsarmee Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN) im südmexikanischen Gliedstaat Chiapas der Konflikt um die Rechte der indianischen Bevölkerung offen aus. Auch in Militäraktionen 1995/96 konnte der Aufstand nicht niedergeschlagen werden; die Verhandlungen führten 1996 zu einem Abkommen, das aber nur unzureichend umgesetzt wurde. Eine schwere Finanzkrise Ende 1994 konnte im Laufe des Jahres 1995 beigelegt werden. Mit der Wahlrechtsreform 1996 leitete Präsident Zedillo einen grundlegenden Wandel des politischen Systems ein.

21. Jahrhundert

Bei den Kongresswahlen 1997 verlor die PRI die absolute Mehrheit, die Präsidentschaftswahlen 2000 gewann der Kandidat der konservativen Partei PAN, V. Fox Quesada. Nach 71 Jahren Regierungszeit der PRI gelang es jedoch nicht, deren Machtmonopol im bürokratischen Apparat aufzubrechen. In der Außenpolitik misslang der Versuch, die Beziehungen zu diversifizieren und damit ein Gegengewicht zur einseitigen Abhängigkeit von den USA zu schaffen, wozu auch die Auswirkungen der NAFTA beitrugen, von der lediglich der Norden des Landes und die Hauptstadtregion profitieren. Im Gefolge der Terroranschläge vom 11. 9. 2001 rutschte Mexiko auf einen eher nachgeordneten Rang in der außenpolitischen Agenda der USA. Migration und Drogenhandel belasten die beiderseitigen Beziehungen. Die Präsidentschaftswahlen am 2. 7. 2006 gewann mit knappem Vorsprung F. Calderón Hinojoso für den PAN. – Im Mercosur hat Mexiko seit 2004 einen Beobachterstatus.