Die USA sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Hierbei handelt es sich um eine Bundesrepublik auf dem nordamerikanischen Kontinent, zu der 50 Bundesstaaten gehören. Auch Hawaii und Alaska zählen zudem mit zu den USA.

 

obama-all-equal

Alle sind gleich in Amerika – oder?  credit: The Whitehouse

Die USA in Nordamerika

 

polierte Flagge der USA

aktuelle Flagge der USA

Die Flagge Amerikas, wie die USA landläufig genannt wird, zeigt die 13 Gründungsstaaten in rot-weißen Streifen. Die Sterne bilden die aktuell 50 Bundesstaaten der USA ab.

In der Vergangenheit gab es immer wieder beim Eintritt eines neuen Staates eine Änderung an der Nationalflagge, darum kann man auch Fahnen der Vereinigten Staaten von Amerika mit weniger, oder auch kreisrund angeordneten Sternen finden.

Die Flagge der Vereinigten Staaten darf nach Gesetz nachts nur dann im Freien gehißt sein, wenn sie per Licht angestrahlt wird. Ist keine durchgehende Beleuchtung in der Nacht möglich, muss die Flagge bei Einbruch der Dunkelheit eingeholt werden!

Die Vereinigten Staaten bilden 40 Prozent der gesamten Fläche des Nordens in Amerika und sind somit das drittgrößte Land auf der Welt.

USA-Flagge

erste Flagge der USA im Jahre 1776

Die Bildung der United States of America erfolgte ursprünglich aus dreizehn britischen Kolonien, die bereits im Jahre 1776 ihre Unabhängigkeit vom Mutterland bekannt gaben.

Die erste Flagge der USA hatte deshalb neben den 13 Streifen der Gründungsstaaten auch nur 13 Sterne, die in einem Kreis angeordnet waren.

Im 19. Jahrhundert gewann die USA dann immer mehr Einfluss auch im Bereich der Weltpolitik. Dies kam aufgrund der Immigration aus Europa, der Industrialisierung und auch der territorialen Expansion in den Westen.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts waren die USA dann nach dem Zerfall der Sowjetunion auch die letzte noch verbliebene Großmacht. Im 21. Jahrhundert nun gesellt sich auch China dazu.

Auf einer Reise quer durch die Staaten lernt man dieses Land am besten kennen, es gibt viele Anbieter im Tourismus-Bereich und die USA sind ja auch berühmt für ihre vielen, oft einzigartigen Sehenswürdigkeiten. Der Klassiker einer USA-Reise ist sicher die Ost-West Tour auf der Route 66. Besuchen Sie doch auch unseren Artikel über USA-Urlaub.

 

S T A A T · R E C H T

Die USA sind eine präsidiale Republik mit bundesstaatlicher Verfassung. Die Verfassung von 1787 (in Kraft seit 21. 6. 1788), ergänzt durch zahlreiche Änderungen beziehungsweise Ergänzungen (Amendments), enthält einen Grundrechtskatalog (Bill of Rights) und sieht Gewaltenteilung (Separation of Powers) und -verschränkung (Checks and Balances) vor.

Die exekutive Gewalt des Bundes liegt beim Präsidenten, der zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Er wird wie der Vizepräsident durch Wahlmänner auf 4 Jahre gewählt (einmalige Wiederwahl zulässig). Der Wahlvorgang ist mehrstufig: Zunächst werden die Wahlmänner in den Einzelstaaten in allgemeiner und direkter Vorwahl ermittelt, wobei jedem Staat so viele Wahlmänner zustehen, wie er Abgeordnete in den Kongress entsendet. Die Präsidentschaftskandidaten werden im Sommer des Wahljahres von den nationalen Parteikonventen nominiert. Die Wahlmänner sind in den nationalen Präsidentschaftswahlen auf den Kandidaten ihrer Partei verpflichtet. Der Präsident ernennt mit Zustimmung des Senats die Mitglieder der Regierung sowie der obersten Bundesbehörden; er vertritt die USA nach außen, hat das Recht, mit Zustimmung des Senats Verträge zu schließen, und hat gegenüber Beschlüssen des Kongresses ein suspensives Vetorecht. Formal steht ihm kein Recht auf Gesetzesinitiative zu, er kann dem Kongress jedoch Maßnahmen zur Beratung empfehlen. Der Präsident ist dem Kongress nicht verantwortlich und kann ebenso wie der Vizepräsident nur auf dem Wege der Anklage wegen Verfassungs- und Rechtsverletzungen (Impeachment) abgesetzt werden. Wichtigste Funktion des Vizepräsidenten (neben dem Vorsitz im Senat und der Vertretung des Präsidenten bei Missionen im Ausland) ist die Amtsnachfolge im Falle des Todes, Rücktritts oder der Amtsenthebung des Präsidenten. Dem Kabinett, einem beratenden Gremium, gehören der Präsident, der Vizepräsident, die Leiter der Ministerien (Departments) sowie andere vom Präsidenten ausgewählte hohe Beamte und persönliche Berater an. Dem Präsidenten unmittelbar unterstellt ist das Präsidialamt (Executive Office of the President), das aus verschiedenen selbstständigen Einheiten besteht: Das Büro des Weißen Hauses (White House Office) umfasst u. a. die persönlichen Assistenten und Berater des Präsidenten und den Stabschef (Chief of Staff); das Haushaltsbüro (Office of Management and Budget) ist v. a. für den Bundeshaushalt verantwortlich; der Nationale Sicherheitsrat (National Security Council) fungiert als zentrale Instanz außen- und sicherheitspolitischer Entscheidungsprozesse. Ihm gehören neben Präsident und Vizepräsident der Außen- und Verteidigungsminister, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der Streitkräfte, die Direktoren des Amtes für Notstandsplanung und des CIA an.

Die Legislative liegt beim Kongress, bestehend aus Senat (100 Mitglieder, auf 6 Jahre gewählt) und Repräsentantenhaus (435 Abgeordnete, auf 2 Jahre gewählt). Jede Gesetzesvorlage bedarf der Zustimmung beider Häuser und der Unterzeichnung durch den Präsidenten. Legt dieser sein Veto ein, kann der Kongress dieses nur mit Zweidrittelmehrheit beider Häuser überstimmen. Verfassungsänderungen bedürfen einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern sowie der Zustimmung von drei Vierteln aller Bundesstaaten. Während das Repräsentantenhaus das Budgetinitiativrecht genießt, hat der Senat Vorrechte gegenüber der Exekutive.

Die USA haben ein von der Demokratischen Partei (Democratic Party) und der Republikanischen Partei (Republican Party) bestimmtes Zweiparteiensystem. Im Unterschied zu den europäischen sind die amerikanischen Parteien keine Mitglieds- und Programm-, sondern Wählerparteien, die hauptsächlich durch Spenden finanziert werden. Sie sind gleichsam lockere Wählerkoalitionen ohne feste Mitgliedschaft und hauptamtlichen Apparat. Obgleich sich in beiden großen Parteien progressive, gemäßigte und konservative Politiker finden und zwischen den Parteien keine ideologischen Konflikte vorherrschen, lassen sich doch unterschiedliche politische Tendenzen feststellen. Mit Vorbehalten können die Demokraten als eher staatsinterventionistisch und wohlfahrtsstaatlich orientiert und die Republikaner eher als konservativ bezeichnet werden. Angesichts dieses Parteiensystems ist ein direkterer Einfluss von Interessengruppen auf die Politiker als in anderen Staaten zu verzeichnen.

Die amerikanische Verfassung enthält nur wenige Bundeskompetenzen (v. a. auf den Gebieten der Steuer-, Wirtschafts-, Zoll- und Verteidigungspolitik). Doch wuchs mit der Ausbildung des modernen Industriestaates auch die Zentralgewalt gegenüber den Einzelstaaten. Die politische Struktur der Einzelstaaten stimmt mit der des Bundes weitgehend überein. Die Legislative liegt (mit Ausnahme Nebraskas) bei einem Zweikammerparlament, die Exekutive bei einem Gouverneur, der in allgemeinen und direkten Wahlen gewählt wird.

Landesnatur

Die landschaftliche Vielfalt der USA ist durch die meridionale Anordnung der Großräume geprägt. Geomorphologisch lassen sich vier Großeinheiten untergliedern (Kordilleren, Innere Ebenen [Interior Plains], Appalachen, Küstenebenen am Atlantik und am Golf von Mexiko). Der Westen wird von den Kordilleren durchzogen, die sich von Westen nach Osten in Coast Range, Cascade Range und, südlich anschließend, die Sierra Nevada, weiter nach Osten in die Rocky Mountains gliedern. Zwischen Coast Range und Sierra Nevada liegt das Kalifornische Längstal, zwischen Sierra Nevada und den Rocky Mountains das Große Becken. Östlich der Rocky Mountains senken sich die zu den Inneren Ebenen gehörenden Great Plains hinab zur zentralen Ebene, die vom Gebiet der Großen Seen, an denen die USA im Nordosten Anteil haben, bis zum Golf von Mexiko reicht.

Seinen Ostrand bilden die Appalachen, die über das Piedmontplateau in der Fall Line steil zur buchtenreichen, im Süden versumpften atlantischen Küstenebene abfallen. Die Ebene verbreitert sich südwärts zur Halbinsel Florida und geht über in die Golfküstenebene mit dem Mississippidelta. Hauptflüsse sind Hudson, Mississippi mit Missouri und Ohio im Osten; Columbia, Snake River und Colorado River im Westen.

Klima: Das Klima ist infolge der großen Nord-Süd- und Ost-West-Ausdehnung und des Wandels der Oberflächenformen unterschiedlich. Im Allgemeinen herrscht Kontinentalklima vor (heiße Sommer, kalte Winter). Kalifornien und Florida gehören zum subtropischen, der äußerste Süden Floridas zum tropischen Bereich. Auffallend sind plötzliche Temperaturänderungen im Landesinneren: Wegen des Fehlens von West-Ost-Gebirgsbarrieren kann Polarluft aus dem Norden oder Warmluft aus dem Süden ungehindert tief ins Landesinnere eindringen. Die höchsten Niederschläge fallen im äußersten Nordwesten, die niedrigsten in den wüstenhaften Becken der Rocky Mountains. Hawaii hat ausgeglichenes tropisches Seeklima, Alaska Boreal- oder Tundrenklima.

Vegetation: Im Norden (Alaska) reichen die USA in die Tundren- und Nadelwaldzone. Südlich der Grenze zu Kanada setzt eine Ost-West-Gliederung der ursprünglichen Vegetation ein: im Osten Laub-, im Süden immergrüne Wälder, nach Westen übergehend in offenes, baumarmes Grasland, die Prärien, im Westen finden sich v. a. immergrüne Hartlaubgewächse und Nadelhölzer, daneben Wüsten.

Bevölkerung

Durch den Zustrom von europäischen Siedlern seit dem frühen 17. Jahrhundert, die Einfuhr von über 650 000 Sklaven aus Schwarzafrika auf die Plantagen des Südens sowie durch die Einwanderung aus ostasiatischen Ländern, v. a. in den pazifischen Bereich, und aus Mexiko in die angrenzenden Staaten der USA wurde der zuvor nur von wenigen Millionen Indianern bewohnte Kontinent bevölkert. Die Indianer leben heute zumeist in den ihnen seit Ende des 19. Jahrhunderts zugewiesenen Reservationen, die überwiegend westlich des Mississippi liegen.

Während zweier großer Einwanderungswellen (bis 1890 und 1890–1910) kamen v. a. Engländer, Iren, Deutsche und Skandinavier (1. Welle) sowie süd- und osteuropäische Einwanderer (2. Welle). Insgesamt wanderten von 1820 bis 2004 knapp 70 Mio. Menschen in die USA ein, 7,2 Mio. aus Deutschland und 5,4 Mio. aus Italien. Der Anteil der Schwarzen an der Gesamtbevölkerung der USA wuchs von 1,3 % (1630) auf 19 % (1790) und fiel dann infolge der europäischen Einwanderung trotz absoluter Zunahme auf 16 % (1850), 12 % (1900) und 13 % (2000). Die nicht zu den Weißen (2000: 75,1 % der Gesamtbevölkerung), Indianern (mit Eskimo und Aleuten 0,9 %) und Schwarzen gerechnete Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Lateinamerikanern (Hispanos, 13 %, zweitgrößte Minderheit), Chinesen, Filipinos und Japanern. Die Bevölkerungsgruppe asiatischer Abstammung wuchs zwischen 1980 und 2000 auf mehr als das Zweieinhalbfache an (3,6 %).

Die Bevölkerungsverteilung ist sehr unterschiedlich. Alaska, die ausgedehnten Trockengebiete im Westen und die Gebirgsgegenden sind äußerst dünn besiedelt (unter 10 Einwohner/km2). Ausgesprochene Ballungsräume sind der Süden Neuenglands, Teile der mittelatlantischen Staaten, das Gebiet der Großen Seen sowie Teile von Texas und Kalifornien. Die Bevölkerung stieg v. a. im Süden und Westen zulasten der Regionen des Nordostens und Mittelwestens an. Starke Zuwanderungsraten haben Florida und Arizona; die stärkste Bevölkerungskonzentration aller Bundesstaaten mit über 12 % der Gesamtbevölkerung weist Kalifornien auf.

Religion: Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit, formuliert die strikte Trennung von Staat und Kirche und schließt die Etablierung einer Staatskirche wie auch die Privilegierung bestimmter Religionsgemeinschaften seitens des Staates ausdrücklich aus. Offizielle Zählungen der Religionszugehörigkeit finden nicht statt. In aktuellen Umfragen bezeichnen sich über 90 % der US-Bürger als »gottgläubig«, rund 84 % als Christen (in der Zahl eingeschlossen die Mormonen). Konfessionell sind die USA seit ihrer Gründung – heute mit einem Bevölkerungsanteil von rund 55 % Protestanten – sozial und kulturell ein protestantisch geprägtes Land. Die größte christliche Glaubensgemeinschaft ist jedoch die katholische Kirche, der rund 23 % der Bevölkerung angehören. Von den rund 55 % Protestanten werden rund 22 % den liberalen weißen »Mainline-Protestanten« (besonders Methodisten, Lutheraner, Presbyterianer, Kongregationalisten) zugerechnet; rd. 24 % sind nach Eigenaussagen evangelikale Protestanten (besonders Pfingstler und Baptisten) und begreifen sich als »wiedergeborene Christen«. Etwa 2 % sind orthodoxe Christen; die rund 0,8 % Anglikaner gehören zur Protestant Episcopal Church. Zu den kleineren christlichen Gemeinschaften zählen Mennoniten (darunter die Amische) und Hutterer (Hutter).

Insgesamt zählt die »Encyclopedia of American religions« über 1 300 christliche Denominationen und Religionsgemeinschaften mit christlichem Hintergrund auf. Besonderheiten christlich motivierten religiösen Lebens und damit verbundener (gesellschafts-)politischer Aktivitäten in den USA bilden die zahlreichen christlichen Rundfunk- und Fernsehprogramme (Fernsehkirche) und konservative protestantische Sammlungsbewegungen wie dieChristian Coalition of America.

Die größten nichtchristlichen Religionsgemeinschaften bilden die Juden (rund 5,7 Mio.), Muslime (offiziell [Regierungsstatistik] rund 2 Mio.; geschätzt rund 4 Mio.), Buddhisten (rund 2,5 Mio.), Hindus (rund 1 Mio.), Bahais (rund 750 000) und Sikhs (rund 200 000). Von den neureligiösen Gemeinschaften sind besonders die Mormonen (rund 5 Mio.), die Zeugen Jehovas (rund 2 Mio.), die »Church of Christ, Scientist« (Christian Science) und die »Scientology®Church« hervorzuheben, deren Zentren sich in den USA befinden. Unter den Indianern gibt es eine starke Bewegung der Rückbesinnung auf die Wurzeln, Werte und (religiösen) Vorstellungen der eigenen Kultur, zum Teil verbunden mit christlich-monotheistischen Vorstellungen (Peyotekult). ZahlreicheEskimo und Aleuten sind (infolge der früheren russischen Mission) orthodoxe Christen, wobei auch unter ihnen traditionelle Glaubensvorstellungen fortleben.

Bildung: Das Schulwesen ist Angelegenheit der Einzelstaaten. Die Schulpflicht beginnt in der Regel mit sechs Jahren und dauert meist bis zum 16. Lebensjahr. Neben den öffentlichen Schulen gibt es die vorwiegend konfessionellen Privatschulen. Auf die sechs- oder achtjährigen Elementary Schools (Primarschulen) folgen die Highschools (Gesamtschulen im Sekundarbereich; drei- und sechsjährig bei sechsjähriger, vierjährig bei achtjähriger Elementary School). Auf den Highschools bauen die Colleges auf: Das zweijährige Juniorcollege bietet eine Berufsausbildung oder das Programm der ersten beiden Ausbildungsjahre des universitär ausgerichteten vierjährigen Colleges an (Abschluss: Bachelor). Die vier Ausbildungsjahre umfassenden Colleges sind selbstständig oder Universitäten angeschlossen. Insgesamt gibt es weit über 4 000 staatliche und private Universitäten und Hochschulen (Colleges). Bedeutende und über die USA hinaus bekannte Universitäten sind die Harvard University (Cambridge, Massachusetts), die University of California (Berkeley; Los Angeles), die Stanford University (Stanford, Kalifornien), die Yale University (New Haven, Connecticut), die Princeton University(Princeton, New Jersey) und die Columbia University (New York).

Wirtschaft und Verkehr

Industrie

Die USA sind einer der bedeutendsten Industriestaaten der Erde, dessen Entwicklung durch die reiche Ausstattung mit natürlichen Ressourcen wesentlich begünstigt wurde. Ihre absolute Überlegenheit in der Weltproduktion und im Welthandel haben die USA aber gegenüber Westeuropa und dem pazifischen Wirtschaftsraum in einigen Bereichen (z. B. Fahrzeugbau, Halbleiterproduktion) eingebüßt. Die US-amerikanische Wirtschaft ist dienstleistungsorientiert.

Der wirtschaftliche Aufschwung während der 1980er- und verstärkt während der 1990er-Jahre brachte eine deutliche Strukturveränderung zugunsten des Dienstleistungsbereichs und zulasten der verarbeitenden Industrie. Ende der 1990er-Jahre zeichnete sich wieder eine Konjunkturabschwächung ab, die seit 2000 in Verbindung mit der nachlassenden Weltkonjunktur in eine Rezession mündete. Seit 2002 ist eine Erholung der amerikanischen Konjunktur zu beobachten. – Die USA gehören zu den wichtigsten Bergbauländern der Erde. In der Förderung von Erdgas, Erdöl, Steinkohle, Kupfer-, Bleierz und Silber, bei Gold und bei Eisenerz nehmen die USA führende Stellen in der Weltproduktion ein. Die USA verfügen über ca. 36 % der nutzbaren Weltkohlevorräte. Wegen des hohen Eigenbedarfs sind bei vielen mineralischen Rohstoffen große Importe notwendig (fast 70 % des benötigten Erdöls müssen importiert werden). Die USA sind weltweit der größte Energieerzeuger und -verbraucher. Träger der Elektrizitätserzeugung sind Erdöl (38,7 %), Erdgas (24,1 %), Kohle (22,7 %) und Kernkraft (8,0 %) sowie erneuerbare Energien (6,4 %).

Die Industrie, insbesondere das verarbeitende Gewerbe, verliert in den USA immer mehr an Bedeutung. Der Dienstleistungssektor ist stark angewachsen und eine Konzentration auf Hochtechnologie (Computer, Elektronik, Biochemie) hat stattgefunden. Besonders durch den globalen Wettbewerb betroffen sind die Automobil- und Flugzeugbranche. Die Industrieschwerpunkte konzentrieren sich besonders im Norden, Nordosten und Osten (Manufacturing Belt), doch findet eine deutliche Verlagerung in den Süden und an die Westküste statt. Die umfangreichen Steinkohlevorkommen (Abbau in den Appalachen, im Osten von Pennsylvania, im Mittleren Westen [Ohio, Illinois]) sowie die einheimischen Lagerstätten an Eisenerzen (Förderung am Oberen See [Mesabikette], im Norden der Appalachen, in den Kordilleren) trugen zur Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie mit ihren Schwerpunkten um Pittsburgh und am Südufer der Großen Seen (v. a. Chicago, Gary) bei. Neuere Standorte, die auf der Basis importierter Eisenerze arbeiten, entwickelten sich an der Atlantikküste und in Texas (Houston). Die stark rückläufige Aluminiumherstellung erfolgt im Gebiet des Columbia River und des Tennessee River sowie in der Golfküstenebene.

Die Zentren der Luft-, Raumfahrt- und Elektronikindustrie liegen v. a. im Bereich der Golfküste und in Kalifornien, in Oregon und in Washington. Im Silicon Valley sind die Hightechunternehmen auf Halbleiter- und Computertechnik spezialisiert, im Research Triangle Park (North Carolina) auf Halbleiter- und Biotechnologie. Die Automobilindustrie ist auf Michigan mit dem Zentrum Detroit und die umliegenden Bundesstaaten konzentriert, aber auch Werke in Alabama und in South Carolina.

Dem bedeutenden Aufschwung der chemischen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der Ausbau der Raffineriekapazität; die größten Erdölraffinerien außerhalb von Louisiana und Texas liegen bei Philadelphia (Pennsylvania), Chicago (Illinois), Los Angeles (Kalifornien) und San Francisco (Kalifornien). Außerdem sind von Bedeutung die pharmazeutische sowie die Konsumgüterindustrie. Der Hochtechnologiebereich zeigte in den 1990er-Jahren starke Wachstumsraten, hat aber zu Beginn des 21. Jahrhunderts unter strukturellen Schwierigkeiten zu leiden. In der Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie (v. a. Mittlerer Westen, Prärie- und Plainsstaaten) herrschen Klein- und Mittelbetriebe vor.

Landwirtschaft: Die USA besitzen außerordentlich günstige landwirtschaftliche Möglichkeiten. 33 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind Ackerland; insgesamt werden etwa 20 Mio. ha Land künstlich bewässert. Es zeigt sich eine duale Struktur, wobei industriemäßig betriebene Großunternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das ist v. a. in der Tierhaltung (Rinder, Geflügel) und beim Anbau von Früchten und Gemüse der Fall, in der Getreideproduktion herrschen eher noch mittelgroße Familienbetriebe vor. An der Weltproduktion sind die USA besonders bei Mais, Sojabohnen, Baumwolle und Weizen beteiligt. In den USA galt früher das Konzept einheitlicher Landwirtschaftszonen (Belts) mit einem dominierenden Hauptprodukt, doch hat sich die regionale Verbreitung der landwirtschaftlichen Produktion stärker differenziert. So ist im Südosten, im ehemaligen Cotton Belt, der Baumwollanbau nur noch auf geringe Areale in den Bundesstaaten Mississippi und Louisiana beschränkt, in den anderen Staaten ist dagegen die Geflügelhaltung in Großbetrieben der wichtigste Zweig.

Im ehemaligen Weizengürtel (Wheat Belt) der Great Plains haben auch Hirseanbau und Rinderhaltung Bedeutung erlangt. Obst-, Wein- und Gemüseanbau dominieren in klimatisch beziehungsweise für den Absatz günstigen Teilen der USA, so in Kalifornien (Kalifornisches Längstal; kalifornische Weine), im Golfküstenbereich, in Florida, aber auch um die Stadtregionen an der Atlantikküste im Nordosten. In den Staaten um die Großen Seen und im Nordosten ist die Milchviehhaltung (Dairy Belt) nach wie vor verbreitet; der Maisanbau südlich der Seen ist verbunden mit Sojabohnenanbau und Schweinemast. Die Rinderzucht ist wichtigster Zweig im trockeneren Westen der USA mit den extensiven Weidegebieten, meistens sind die Tiere jedoch auf großen Weideplätzen (Feed Lots) zusammengefasst. Besonders tropische Früchte wie Ananas und Bananen stammen ausschließlich von den Hawaii-Inseln.

Landfläche

155 Nationalwälder mit einer Fläche von insgesamt 769 000 km2 machen rd. 9 % der Landfläche der USA aus. Forst- und holzwirtschaftlich bedeutende Regionen sind die Nadelwälder des pazifischen Nordwestens (Washington, Oregon und Kalifornien) und die Kiefern- und Mischwälder im Südosten sowie das Gebiet der Rocky Mountains. Im Nordwesten ist eine der größten Sägeindustrien der Erde entstanden, die v. a. Bauholz liefert, während die Holzeinschläge im Südosten von der Papier- und Celluloseindustrie verwertet werden. Obwohl die USA eine bedeutende Stelle unter den Fischereiländern der Erde einnehmen, muss Fisch (v. a. aus Kanada) importiert werden.

Außenhandel: Die wichtigsten Handelspartner sind Kanada, Mexiko, Japan, China, die EU-Staaten (v. a. Deutschland, Großbritannien). Die wichtigsten Exportgüter sind Industriegüter, darunter Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Fahrzeuge, besonders Flugzeuge und Flugzeugteile, chemische Güter, Nahrungs- und Genussmittel mit großen Anteilen von Mais, Sojabohnen, Gemüse und Früchten, Weizen und Tabak, Bergbauerzeugnisse sowie Nutzholz. Importiert werden elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen, Textilien, Büroausstattungen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Erdöl, Kaffee, Gemüse und Früchte, Fleischprodukte, Papier und Cellulose. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) zwischen den USA, Kanada und Mexiko trat 1994 in Kraft.

Verkehr

Die Eisenbahn (deren Netz 1916 mit 428 607 km die größte Ausdehnung erreichte) hat heute nur noch eine Streckenlänge von 194 000 km. Das gut ausgebaute und dicht vernetzte Straßenverkehrssystem umfasst etwa 6,4 Mio. km, davon sind rund 90 % asphaltiert. Ein Netz von Fernbuslinien überzieht das ganze Land. Der Binnenschiffsverkehr hat seit dem 1959 beendeten Ausbau des Sankt-Lorenz-Seeweges für Ozeanschiffe einen weiteren Aufschwung genommen und verfügt mit dem Mississippiflusssystem (rund 60 % der Gesamtleistungen) und den Großen Seen (rund 20 %) über rund 41 000 km gut ausgebaute Wasserwege. Hauptseehäfen sind: South Louisiana (bei New Orleans), Houston, New York, New Orleans, Beaumont, Corpus Christi und Long Beach. Die meistfrequentierten Flughäfen sind Atlanta, O’Hare (Chicago), Dallas-Fort Worth, Los Angeles, Denver, Phoenix und Las Vegas.

Geschichte der USA

Zur Vor- und Kolonialgeschichte und zur Entdeckungsgeschichte Nordamerika (Geschichte).

Erringung der Unabhängigkeit, territoriale Ausdehnung und Sezessionskrieg (1763–1865):Den Anlass für die Loslösung der 13 britischen Kolonien an der Ostküste Nordamerikas vom Mutterland bildete der Versuch Großbritanniens, einen Teil seiner im siegreichen Krieg gegen Frankreich (Siebenjähriger Krieg, 1756–63) entstandenen beträchtlichen Schulden durch die Kolonien abtragen zu lassen.

Der rasch zunehmende, offene Widerstand der Kolonien richtete sich insbesondere gegen die Erhebung neuer Steuern (z. B. Stempelakte 1765), strengere Handels- und Zollgesetze sowie britische Bestrebungen zur Zentralisierung der Verwaltung (de facto Ausschaltung der verbrieften Autonomie der Kolonien). Die 1765 entstandene Geheimorganisation »Sons of Liberty« (Söhne der Freiheit) verübte u. a. gezielte Anschläge gegen die britische Steuerverwaltung; die Boston Tea Party 1773 verschärfte die Auseinandersetzung. Der 1. Kontinentalkongress (1774), auf dem außer Georgia und den kanadischen Provinzen alle britischen Kolonien vertreten waren, bekräftigte die Opposition gegen die restriktiven britischen Parlamentsgesetze und beschloss einen strikten Boykott britischer Waren. Zu den ersten Gefechten zwischen britischen Truppen und amerikanischer Miliz kam es am 19. 4. 1775 bei Lexington und Concord (Massachusetts). Der im Mai 1775 eröffnete 2. Kontinentalkongress veranlasste die Bildung einer gemeinsamen Kontinentalarmee aller Kolonien unter dem Oberbefehl von G. Washington; am 4. 7. 1776 nahm er die von T. Jefferson entworfene Unabhängigkeitserklärung an.

Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775–83), in dem die amerikanischen Kolonien durch Frankreich unterstützt wurden (Bündnis vom Februar 1778), führte nach wechselvollem Verlauf 1781 zu einer britischen Niederlage (Kapitulation von General C. Cornwallis bei Yorktown, Virginia); er endete mit dem Frieden von Paris (1783), in dem Großbritannien die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Kolonien anerkannte und auf deren westliches Hinterland bis zum Mississippi verzichtete; Kanada blieb britischer Besitz. Die neuen Verfassungen, die sich elf Staaten zwischen 1776 und 1780 gaben, garantierten Grundrechte und sahen Gewaltenteilung vor.

Mit den 1781 in Kraft getretenen Konföderationsartikeln schlossen sich die souveränen Einzelstaaten zunächst zu einem lockeren Staatenbund zusammen, dessen Kompetenzen jedoch stark begrenzt waren. Seine Umwandlung in einen Bundesstaat mit gestärkter Zentralgewalt (Präsidialsystem) erfolgte durch die 1787 ausgearbeitete und 1788 ratifizierte Verfassung. Erster Präsident der USA wurde George Washington (1789–97). Er und seine Nachfolger wahrten strikte Neutralität und Frieden gegenüber den europäischen Mächten.

Mit dem Kauf des westlichen Louisiana von Frankreich (1803) begann die territoriale Ausdehnung der USA. In der Folgezeit schob sich die Siedlungsgrenze (»Frontier«) weiter nach Westen; damit verbunden war die Vertreibung der Indianer aus ihren angestammten Wohngebieten. Der von Tecumseh organisierte Widerstand der Indianer wurde 1811 in der Schlacht am Tippecanoe River unterdrückt. Unter Präsident J. Madison (1809–17) wurde 1812–14 ein ergebnisloser Krieg mit Großbritannien um den Besitz Kanadas geführt. 1819 kauften die USA von Spanien Florida. Zur Verhinderung einer Einmischung der Heiligen Allianz in den aufständischen spanischen Kolonien in Süd- und Mittelamerika sowie zur Abwehr der Ansprüche Russlands auf die Nordwestküste Nordamerikas stellte Präsident J. Monroe (1817–25) die Monroedoktrin auf.

1845 wurde das durch nordamerikanische Siedler von Mexiko getrennte Texas Bundesstaat der USA, die 1846 auch den langen Grenzstreit mit Großbritannien um Oregon durch einen Vertrag beenden konnten. Im Mexikanischen Krieg 1846–48 eigneten sich die USA das Gebiet von New Mexico bis Kalifornien an. – Die innenpolitische Entwicklung war um die Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend geprägt durch den Gegensatz zwischen dem industrialisierten Nordosten, der eine wirtschaftliche Expansion auf der Grundlage von Schutzzöllen und einer liberalistischen Arbeitsmarktpolitik betrieb, und dem auf Sklaverei beruhenden Plantagensystem im Süden.

Vermehrte Baumwollnachfrage, besonders aus Großbritannien, bedingte eine starke Zunahme der Plantagensklaverei, wogegen sich die Bewegung der Abolitionisten richtete, die die Sklaverei v. a. aus humanitären Gründen abschaffen wollten. Die Kansas-Nebraska-Bill (1854) überließ die Lösung der Sklavenfrage den Einzelstaaten und hob damit das Verbot der Sklaverei nördlich von 36° 30′ nördlicher Breite auf (1820 im Missourikompromiss festgelegt). Die Sklavereigegner gründeten 1854 die Republikanische Partei, die mit der bereits 1828 entstandenen Demokratischen Partei seitdem das politische System der USA weitgehend bestimmt.

Den Wahlsieg des republikanischen Kandidaten A. Lincoln 1860 nahmen die elf Südstaaten zum Anlass, aus der Union auszutreten und 1861 die Konföderierten Staaten von Amerika (Präsident J. Davis) zu bilden. In dem daraufhin ausbrechenden Bürgerkrieg (Sezessionskrieg, 1861–65), der mit äußerster Erbitterung geführt wurde (rund 600 000 Gefallene, Verwüstung weiter Landstriche), zerbrach das Plantagensystem in den Südstaaten; zugleich kam es zu einem kriegsbedingten konjunkturellen Aufstieg der Nordstaaten, deren Sieg (9. 4. 1865 Kapitulation der Konföderationsarmee bei Appomatox) die Einheit der Union wiederherstellte.

Reconstruction bis Eintritt in den Ersten Weltkrieg (1865–1917): In der Periode der Reconstruction (Wiedereingliederung der Südstaaten in die Union nach dem Sezessionskrieg, 1865–77) verringerten sich zwar die regionalen wirtschaftlichen Unterschiede; hingegen änderte sich die Situation der Schwarzen trotz Abschaffung der Sklaverei (1863) auf lange Sicht kaum (eine Integration wurde v. a. im Süden durch rassentrennende Gesetze und Verweigerung des Stimmrechts sowie durch oft gewalttätige rassistische Auswüchse wie den Ku-Klux-Klan verhindert).

Die einsetzende rasante Industrialisierung ging einher mit der seit Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkten Erschließung des Westens (u. a. 1869 Vollendung der 1. transkontinentalen Eisenbahnlinie); diese stand im Zeichen einer bereits 1820 begonnenen freien Landnahme (große Siedlungstrecks von zumeist europäischen Einwanderern, Vordringen von Squatters, Trappern, Händlern, Viehzüchtern) und des Kampfes der Indianer um ihre angestammten Gebiete. Goldfunde beschleunigten die Westwanderung (insbesondere der »Gold Rush« nach Kalifornien, 1848/49; später Funde in den Black Hills). Die Siedlung an der »Frontier« war für viele der nach einer neuen Existenz suchenden Einwanderer (rund 15 Mio. zwischen 1865 und 1900; v. a. Briten, Iren, Deutsche, später Ost- und Südosteuropäer) erstrebenswert und rief einen beständigen Landhunger hervor. Die sich gegen ihre Vertreibung zur Wehr setzenden Prärieindianer (1876 letzter bedeutender Sieg der Indianer unter Führung von Sitting Bull und Crazy Horse in der Schlacht am Little Bighorn River gegen US-Truppen unter General G. A. Custer) wurden in jahrzehntelangen Kriegen dezimiert, ihrer Existenzgrundlage beraubt (Vernichtung der Büffelherden) und in teilweise unwirtliche Reservationen deportiert (erst 1924 formale Zuerkennung der Bürgerrechte). Die verlustreichen Auseinandersetzungen mit den Indianern, der Pioniergeist bei der Erschließung des Westens (Abschluss um 1890), der harte Einwanderer- und Siedleralltag, v. a. aber die sich nur allmählich etablierende Gesetzlichkeit in den neuen Gebieten finden sich wieder im Mythos vom »Wilden Westen«.

Die rasche und zunächst unreglementierte Industrialisierung des Landes (Entstehung mächtiger Konzerne), die damit verbundene Urbanisierung und Herausbildung einer sich aus unterschiedlichen Nationen rekrutierenden Arbeiterschaft sowie die anhaltende Einwanderung waren von einer Zuspitzung der sozialen Probleme begleitet und bewirkten u. a. die Gründung gewerkschaftlicher Organisationen (z. B. 1886 American Federation of Labor), die harte soziale und Lohnkämpfe austrugen.

Außenpolitisch war für die USA in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Absicherung wirtschaftlicher Interessen bestimmend (z. B. gewaltsame Öffnung Japans für den amerikanischen Handel, 1854). Erst die gegen Ende des Jahrhunderts rasch anwachsenden Auslandsinvestitionen (Dollarimperialismus), v. a. im politisch unruhigen Lateinamerika, führten in wachsendem Maße zu Interventionen in diesem Gebiet und zum Erwerb von Außenterritorien. Bereits 1867 sicherten sich die USA Alaska durch Kauf von Russland.

Durch den Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) gewannen sie Puerto Rico, Kuba (1902 formal unabhängig), die Philippinen und Guam; ebenfalls 1898 wurde Hawaii annektiert. Die USA veranlassten die Abspaltung Panamas von Kolumbien (1903) und sicherten sich die Rechte zu Bau und Nutzung des Panamakanals. Einen ersten Höhepunkt ihrer Weltgeltung erreichten die USA unter Präsident T. Roosevelt (1901–09). Nach anfänglicher Neutralität im Ersten Weltkrieg erklärten die USA am 6. 4. 1917 Deutschland den Krieg, nachdem dieses den uneingeschränkten U-Boot-Krieg proklamiert hatte (1918 Entsendung eines amerikanischen Expeditionsheeres unter General J. J. Pershing auf den französischen Kriegsschauplatz).

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg (1918–45): 1918 verkündete Präsident T. W. Wilson (1913–21) seine Vierzehn Punkte als Grundlage für Friedensverhandlungen, konnte sein Programm aber auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 nur teilweise gegenüber den europäischen Westmächten durchsetzen. Nachdem der Senat 1920 die Ratifizierung des Versailler Vertrages abgelehnt hatte und die USA somit außerhalb des Völkerbundes blieben, trat die Politik des Isolationismus wieder in den Vordergrund. Durch den Ersten Weltkrieg waren die USA zum Gläubiger der meisten europäischen Länder geworden; 1921 schlossen sie einen Separatfrieden mit Deutschland und wirkten maßgebend an der Regelung der Reparationsfrage durch den Dawesplan (1924) und Youngplan (1929) mit.

Unter den republikanischen Präsidenten W. G. Harding (1921–23) und C. Coolidge (1923–29) begann erneut eine Zeit des Big Business (1919–29), die jedoch von Korruptionsskandalen erschüttert wurde. Die 1920–33 gültige Prohibition war von einem Aufschwung des organisierten Gangstertums begleitet (u. a. Al Capone in Chicago). Die Weltwirtschaftskrise (1929–33) bereitete auch der Prosperität in den USA ein Ende (24. 10. 1929 »Schwarzer Donnerstag« an der New Yorker Börse, zeitweise 15 Mio. Arbeitslose, Absinken der Industrieproduktion um rund 50 %). Nach einer schweren Wahlniederlage der Republikaner (1932) wurde der Demokrat F. D. Roosevelt Präsident (1933–45), der zur Überwindung der Krise die Politik des New Deal einleitete, die Fortschritte in der Sozialgesetzgebung enthielt und erstmals staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben vorsah.

1933 nahmen die USA diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion auf; 1934 leiteten sie den Unabhängigkeitsprozess der Philippinen ein. Angesichts der Expansionspolitik der Achsenmächte wurde die isolationistische Außenpolitik aufgegeben. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa lieferten die USA Kriegsmaterial an die westlichen Alliierten (Lend-Lease Act 1941), später auch an die Sowjetunion; mit dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor und der deutschen sowie italienischen Kriegserklärung traten die USA 1941 selbst in den Krieg ein. Ihr Eingreifen auf dem europäischen Kriegsschauplatz (insbesondere seit der angloamerikanischen Invasion in der Normandie im Juni 1944) trug maßgeblich zur bedingungslosen Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 bei. Der Einsatz von Atombomben (Abwurf auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945) beendete den Krieg gegen Japan (September 1945) und wies die USA als erste Nuklearmacht der Welt aus.

Weltmacht USA (seit 1945), die Nachkriegszeit: Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die USA als Vormacht der westlichen Staaten hervor. Bald nach Kriegsende begann die Allianz mit der UdSSR wegen der völligen Divergenz bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung zu zerfallen (Entstehung des Ost-West-Gegensatzes nach Errichtung kommunistischer Regime in Mittel- und Osteuropa). Der demokratische Präsident H. S. Truman (1945–53) versuchte, mit einer Politik des Containments die sowjetische Expansion in Europa und Asien einzudämmen. Die Spannungen zwischen den Alliierten entwickelten sich zum Kalten Krieg, der zuerst außenpolitisch (1947/48 Berliner Blockade, 1949 Gründung der NATO, 1950–53 Koreakrieg), unter dem republikanischen Präsidenten D. D. Eisenhower (1953–61) aber auch innenpolitisch geführt wurde (Kommunistengesetze 1954 und »rote Psychose« unter J. R. McCarthy). Außenminister J. F. Dulles (1953–59) verfolgte eine Politik der Zurückdrängung des Ostblocks (Roll back). 1954 intervenierten die USA in Guatemala, mit der Eisenhower-Doktrin (1957) meldeten sie ihre strategischen Ansprüche im Nahen Osten an.

Seit den 1950er-Jahren verstärkte sich die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen unter Führung M. L. Kings und erreichte u. a. 1954 die Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen sowie erste Bürgerrechtsgesetze (1957 und 1960).

Nachdem sich der Ost-West-Konflikt mit dem Bau der Berliner Mauer (1961) und der Kubakrise (1962/63) erneut gefährlich zugespitzt hatte, war die Außenpolitik des demokratischen Präsidenten J. F. Kennedy (1961–63) auf einen Abbau der Spannungen im Verhältnis zur Sowjetunion (u. a. »heißer Draht« Washington–Moskau, 1963; Einschränkung der Kernwaffenversuche durch den Moskauer Vertrag, 1963) und auf eine verbesserte Zusammenarbeit mit den europäischen Verbündeten gerichtet. Innenpolitisch zielte Kennedy mit seiner Forderung nach einem Aufbruch zu »neuen Grenzen« (New Frontier) auf die Durchsetzung eines weit reichenden sozial- und wirtschaftspolitischen Programms.

Nach der Ermordung Kennedys in Dallas (22. 11. 1963) setzte sein Nachfolger L. B. Johnson (1963–69) diesen innenpolitischen Kurs fort (u. a. Programm der »Great Society« 1965). Die Rassenfrage war während der 1960er-Jahre der brisanteste innere Konflikt. Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 gewährte den Schwarzen zwar Schutz bei der Ausübung des Wahlrechts, förderte die Schulintegration und verbot die Rassendiskriminierung; die anhaltende wirtschaftliche Benachteiligung der Schwarzen zog aber Radikalisierung (Black Power) und Gettoaufstände (1966/67) nach sich. Ende der 1960er-Jahre brachte überdies die tiefste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise schwere soziale und wirtschaftliche Probleme.

Vietnamkrieg und 1970er-Jahre: 1965 intervenierten die USA in der Dominikanischen Republik. Die bereits in der Regierungszeit Kennedys verstärkte Militärpräsenz in Süd-Vietnam steigerte Johnson 1964 (Tongking-Zwischenfall) zum direkten militärischen Einsatz im Vietnamkrieg, der bis Anfang der 1970er-Jahre stetig eskalierte. Die Misserfolge seiner Vietnampolitik und die ab 1965 von den Universitäten ausgehende Protestbewegung gegen die amerikanische Kriegsbeteiligung veranlassten Johnson zur Einstellung der Bombardierung Nord-Vietnams und zur Aufnahme von Verhandlungen (1968) sowie zum Verzicht auf eine zweite Präsidentschaftskandidatur.

Der republikanische Präsident R. M. Nixon (1969–74) leitete 1972 eine Normalisierung der Beziehungen zur VR China ein und suchte mit der Sowjetunion zu Abrüstungsvereinbarungen zu kommen (SALT-Verhandlungen). Über eine »Vietnamisierung« (das heißt Rücknahme aller nichtvietnamesischen Streitkräfte aus dem militärischen Geschehen) erreichte er durch seinen Sonderberater H. A. Kissinger 1973 einen Waffenstillstand mit Nord-Vietnam. Darüber hinaus nahmen die USA seit 1973 an der KSZE teil.

Innenpolitisch bewirkte der Vietnamkrieg einen Verlust an nationalem Stärkebewusstsein (Vietnam-Syndrom) und eine massive Vertrauenskrise gegenüber der Regierung, die durch die Watergate-Affäre und den dadurch erzwungenen Rücktritt Nixons (1974) noch erheblich vertieft wurde. Dem republikanischen Präsidenten G. R. Ford (1974–77) folgte der Demokrat J. E. Carter im Amt (1977–81), der in seiner Politik anfangs nachdrücklich die Menschenrechte betonte, in Verträgen mit Panama (1978 ratifiziert) die schrittweise Übergabe des Panamakanals vereinbarte und im Nahostkonflikt 1979 einen Separatfriedensvertrag zwischen Ägypten und Israel vermittelte. Die zunächst fortgesetzte Entspannungspolitik (1979 Unterzeichnung des SALT-II-Abkommens mit der UdSSR, dessen Ratifizierung jedoch ausblieb) geriet durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan im Dezember 1979 in eine schwere Krise. Die islamische Revolution in Iran 1979 brachte die USA, die das Schah-Regime gestützt hatten, in außenpolitische Verwicklungen, die im November 1979 in der Besetzung der Teheraner US-Botschaft und der bis Januar 1981 währenden Festsetzung von über 50 US-Bürgern als Geiseln gipfelten.

Die USA unter R. W. Reagan: Der republikanische Präsident R. W. Reagan (1981–89), der bei seinem Amtsantritt ein Programm der »nationalen Erneuerung Amerikas« verkündete, verfolgte zunächst eine strikt antikommunistische Politik der äußeren Stärke und Aufrüstung (u. a. SDI, Aufstellung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Westeuropa), gegen die sich eine anwachsende Friedensbewegung (z. B. Freeze) richtete. Reagan betonte die Rolle der USA als Ordnungsmacht in Mittelamerika (u. a. Invasion in Grenada 1983, Unterstützung der Contras gegen das sandinistische Nicaragua).

Die von ihm eingeleitete Hochzinspolitik führte auch zu wirtschaftlichen Differenzen mit den westeuropäischen Verbündeten. Reagans wirtschaftspolitisches Konzept (Reaganomics), das auf den Abbau staatlicher Regulierungen und eine Anregung des privaten Sektors zielte, wurde durch die beträchtliche Erhöhung der Militärausgaben und damit verbundene drastische Sparmaßnahmen im Gesamthaushalt (besonders im Bereich der Sozialausgaben) überlagert. In seiner 2. Amtszeit suchte Reagan einen Ausgleich mit der Sowjetunion zu erreichen, der durch die 1985 begonnene sowjetische Reformpolitik unter M. S. Gorbatschow und den Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan (1988/89) möglich wurde.

Nach mehreren amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen seit 1985, in deren Mittelpunkt v. a. Fragen der Abrüstung standen, wurde mit der Unterzeichnung des INF-Vertrages zur Beseitigung der Mittelstreckenraketen beider Länder (8. 12. 1987 in Washington, durch den Senat im Mai 1988 ratifiziert) erstmals ein Erfolg bei Abrüstungsinitiativen im Bereich der atomaren Waffen erzielt. Für eine nachhaltige Schwächung der Position Präsident Reagans sorgte die Iran-Contra-Affäre(»Irangate«) um den von Regierungsbeamten organisierten geheimen Waffenhandel mit Iran zur Finanzierung der nicaraguanischen Contras. Die durch den irakisch-iranischen (1.) Golfkrieg verursachte Gefährdung der Transportwege für das in der Golfregion geförderte Erdöl veranlasste die USA 1987 zur Entsendung von Flotteneinheiten in den Persischen Golf (Verwicklung amerikanischer Kriegsschiffe in Kampfhandlungen mit iranischen).

Die US-Administration unter G. H. W. Bush (1989–93): Bei den Präsidentschaftswahlen im November 1988 konnte sich der republikanische Vizepräsident G. H. W. Bush gegen den Demokraten M. Dukakis durchsetzen, er trat im Januar 1989 sein Amt als 41. Präsident der USA an. Durch eine militärische Intervention in Panama im Dezember 1989 wurde der Machthaber General M. A. Noriega Morena gestürzt, gefangen genommen und in den USA angeklagt; ein Geschworenengericht befand ihn im April 1992 des Rauschgifthandels für schuldig.

Im 2. Golfkrieg (17. 1.–28. 2. 1991) stellten sich die USA an die Spitze einer multinationalen Militärkoalition, die die Räumung Kuwaits durch Irak durchsetzte. Ihren danach gewachsenen Einfluss im Nahen Osten nutzten die USA (zahlreiche diplomatische Missionen von Außenminister J. Baker und seinem Nachfolger W. Christopher), um die Abhaltung einer Nahostfriedenskonferenz (unter Einschluss der Palästinenser) durchzusetzen (Nahostkonflikt). Präsident Bush führte die Annäherung an die Sowjetunion fort (im Juli 1991 Unterzeichnung des START-Vertrages in Moskau). Nach deren Auflösung zielte die Politik der USA gegenüber den in der GUS zusammengeschlossenen Nachfolgestaaten, insbesondere gegenüber Russland, auf die Verwirklichung bereits vereinbarter Abrüstungsschritte und ihre Weiterführung.

Im Januar 1993 unterzeichneten die USA und Russland den Vertrag über die Verringerung der strategischen Atomwaffen (START II). Ihre militärische Präsenz in Asien begannen die USA 1991 zu verringern (Räumung von Stützpunkten auf den Philippinen, einsetzender Abzug der Atomwaffen aus Süd-Korea). Innenpolitisch sah sich Präsident Bush mit zum Teil aus der Amtszeit Reagans überkommenen wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, die sich unter seiner Administration zu einer Rezession entwickelten. Die dadurch verschärften sozialen Missstände, von denen besonders Schwarze und Minderheiten betroffen waren, entluden sich im Sommer 1992 in schweren Rassenunruhen in Los Angeles.

Die Clinton-Ära (1993–2001): Vor diesem Hintergrund siegte bei den Präsidentschaftswahlen im November 1992 der demokratische Kandidat B. Clinton (Amtsantritt im Januar 1993), der sich in seinem Regierungsprogramm der Überwindung sozialer Missstände mittels staatlicher Reformprogramme verschrieb. Er sah sich jedoch nach den erheblichen Verlusten der Demokratischen Partei bei den Kongresswahlen 1994 starken inneren Widerständen (u. a. Scheitern der Neugestaltung des Gesundheitswesens 1994; Streit um den Bundeshaushalt 1996) ausgesetzt.

Das politische System wurde zudem von extremistischen, nationalistischen Milizen provoziert, die das staatliche Machtmonopol grundsätzlich infrage stellten und auch vor terroristischen Anschlägen nicht zurückschreckten (z. B. in Oklahoma City 1995). Daneben waren die USA immer wieder konfrontiert mit terroristischen Aktionen v. a. islamisch-fundamentalistischer Gruppierungen im In- und Ausland (u. a. Anschlag auf das World Trade Center in New York im Februar 1993 und auf eine amerikanische Kaserne in Saudi-Arabien im Juni 1996; spätere Bombenattentate auf die US-Botschaften in Nairobi [Kenia] und Daressalam [Tansania]).

Trotz dieser schwierigen Situation konnte Clinton die Präsidentschaftswahlen 1996 erneut für sich entscheiden (als erster wieder gewählter Präsident der Demokratischen Partei seit mehr als fünf Jahrzehnten); er nahm eine umfangreiche Regierungsumbildung vor (u. a. Wechsel im Ressort des Außenministers, in dem an die Stelle von W. M. Christopher die bisherige amerikanische UN-Botschafterin Madeleine K. Albright trat; mit der Ernennung des republikanischen Senators William Cohen zum Verteidigungsminister legte er den Grundstein für eine überparteiliche Sicherheitspolitik).

Die zweite Amtszeit Clintons war zunächst geprägt von wirtschaftlicher Prosperität und Vollbeschäftigung (ein ausgeglichener Haushalt konnte 1998 vorgelegt werden). Gleichzeitig wuchsen die Unsicherheit über die allgemeine Entwicklung des Landes sowie die politische Entfremdung in der Bevölkerung. Die Wahlbeteiligung war 1996 mit rund 49 % die niedrigste seit 70 Jahren. Vorherrschendes innenpolitisches Thema wurde 1998 die Diskussion um eine außereheliche Affäre von Präsident Clinton, die er zunächst unter Eid geleugnet hatte, aber aufgrund hartnäckiger Nachforschungen des Sonderermittlers Kenneth Starr und nach einer bis dahin beispiellosen Medienkampagne schließlich zugeben musste. Im Dezember 1998 leitete das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) wegen Machtmissbrauchs und Meineids gegen Clinton ein, das aber im Februar 1999 mit einem Freispruch Clintons durch den Senat endete.

Außen- und sicherheitspolitisch konnten die USA ihre Stellung als einzig verbliebene Weltmacht nach dem Zerfall der Sowjetunion ausbauen. Im Januar 1994 trat das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) in Kraft. Mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Vietnam normalisierte sich 1995 das Verhältnis zu dem ehemaligen Kriegsgegner. Nach der gescheiterten UN-Intervention in Somalia (1993/94) machten die USA ihre Beteiligung an weiteren UN-Friedensmissionen u. a. von realistischen Erfolgsaussichten sowie einer zeitlichen Begrenzung des Einsatzes abhängig. Durch ihre Verhandlungsdiplomatie trugen die USA 1995 zur Beilegung des Bosnienkonflikts (21. 11. 1995 Paraphierung eines Friedensvertrags in Dayton, Unterzeichnung 14. 12. in Paris) bei.

Die USA beteiligten sich führend an der Aufklärung des Verbleibs des Raubgolds (Vorlage des Berichts einer Historikerkommission unter Leitung des Staatssekretärs Stuart E. Eizenstat 1997); darüber hinaus unterstützte die Regierung Clinton die politische Lösung des Nordirlandkonflikts (z. B. Leitung der Friedensgespräche durch den ehemaligen amerikanischen Senator George Mitchell). 1998 griffen die USA – wenn auch noch zurückhaltend – das von der neuen iranischen Führung unter Präsident M. Khatami unterbreitete Dialogangebot zur Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen auf. Die USA befürworteten zudem den Beitritt mittel- und osteuropäischer Staaten zur NATO (im März 1999 Aufnahme von Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik) und waren gleichzeitig um die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Russland, das sich wiederholt gegen die NATO-Osterweiterung gewandt hatte, bemüht. Im Kosovokonflikt übernahmen die USA nach Scheitern einer Verhandlungslösung (Konferenz von Rambouillet Februar 1999) die Führung einer NATO-Militäraktion gegen die Bundesrepublik Jugoslawien (März bis Juni 1999) und beteiligten sich anschließend an der Durchsetzung einer Friedensregelung. Nach dem Wye-Abkommen (Oktober 1998) unternahmen die USA unter Präsident Clinton weitere Bemühungen, dem – immer wieder von Rückschlägen begleiteten – Nahostfriedensprozess neue Impulse zu verleihen.

Die Präsidentschaftswahlen am 7. 11. 2000, bei denen der demokratische Vizepräsident Al Gore und der republikanische Gouverneur von Texas George W. Bush als entscheidende Kandidaten gegeneinander antraten, mündeten wegen des sehr knappen Ergebnisses in einem Debakel. Gore gewann in 20 Bundesstaaten sowie im District of Columbia (267 Wahlmännerstimmen), wobei er bemerkenswerterweise in seinem Heimatstaat Tennessee unterlag, und Bush in 29 Bundesstaaten (246 Wahlmännerstimmen). Als weitgehend chancenlose Bewerber erhielten der Kandidat der Grünen Ralph Nader nur rund 3 % der Stimmen und der Kandidat der Reformpartei Patrick Buchanan weniger als 1 %. Angesichts des »Kopf-an-Kopf-Rennens« von Bush und Gore um die Präsidentschaft (zum Sieg 271 Wahlmännerstimmen erforderlich) fiel dem Bundesstaat Florida (25 Wahlmännerstimmen) eine Schlüsselrolle zu; hier kam es aber zu Problemen im Zusammenhang mit der Auszählung der abgegebenen Stimmen. Dies führte über anfängliche Irritationen (Gore erkannte Bushs Wahlsieg in der Wahlnacht zunächst an, nahm dies aber wenige Stunden später zurück) hin zu einem bis dahin ungekannten wochenlangen Wahlchaos in den USA, begleitet von einem juristischen Tauziehen um die Ermittlung des Wahlsiegers (Auseinandersetzungen um zahlreiche nicht berücksichtigte Stimmen, fehlerhafte Auszählungen, Einbeziehung von Briefwählern). Angesichts dieser Situation verstärkte sich die Kritik am traditionellen amerikanischen System der indirekten Wahl mittels Electoral College.

Am 26. 11. 2000 verkündete die Innenministerin von Florida Katherine Harris als Ergebnis der Wahlen in ihrem Bundesstaat einen lediglich 537 Stimmen betragenden Vorsprung von Bush und erklärte diesen zum Wahlsieger. Die Demokraten um Gore und den Kandidaten für das Vizepräsidentenamt Joseph Lieberman wiesen dieses umstrittene, viele Wählerstimmen ignorierende Ergebnis zurück und verlangten eine nachträgliche Handauszählung. Erstmals in der Geschichte der USA befasste sich auch der Oberste Gerichtshof in Washington (D. C.) mit einer umstrittenen Präsidentenwahl und führte am 12. 12. 2000 mit seinem Richterspruch, der die verfassungsrechtlichen Mängel bei der manuellen Stimmennachzählung in Florida beanstandete, eine Entscheidung zugunsten von Bush herbei.

Bei den am 7. 11. 2000 durchgeführten Wahlen zum Senat (Neuvergabe von 34 der 100 Mandate) gewann Hillary Clinton den Sitz für New York und erlangte damit als erste Frau eines amtierenden US-Präsidenten dieses Amt. Darüber hinaus wurden die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses für zwei Jahre neu gewählt; die Republikaner gewannen 221 Sitze, die Demokraten 212, und 2 Mandate gingen an Unabhängige.

Innen- und Außenpolitik unter Präsident G. W. Bush: Am 20. 1. 2001 trat Bush sein Amt als 43. Präsident der USA an. Die Position des Vizepräsidenten übernahm der frühere Verteidigungsminister Richard (»Dick«) Bruce Cheney; als Außenminister nominierte Bush C. L. Powell, mit dem erstmals ein schwarzer Amerikaner dieses Amt erhielt. Das Verteidigungsressort wurde D. Rumsfeld übertragen.

Innenpolitisch setzte sich die Regierung Bush u. a. für erhebliche Steuersenkungen ein (im Mai 2001 vom Kongress in Höhe von 1,35 Billionen US-$ gebilligt); wirtschaftlich sah sich die neue Administration einer erheblichen Abschwächung der amerikanischen Konjunktur gegenüber. Mit dem Austritt eines liberalen republikanischen Senators aus seiner Partei gewannen die Demokraten im Mai 2001 erstmals seit 1994 wieder die Mehrheit im Senat.

Sicherheitspolitisch forcierte die neue Administration das bereits unter der Regierung Clinton entstandene Projekt einer Raketenabwehr (NMD), was insbesondere auf Kritik von Russland und der VR China stieß, aber auch unter den europäischen Verbündeten nicht unumstritten blieb. Die neue Regierung Bush hielt an einem harten Kurs gegenüber Irak fest (auch 2001/2002 wiederholt amerikanisch-britische Luftschläge). Mit seiner ersten außenpolitischen Visite nach dem Amtsantritt in Mexiko (Februar 2001) betonte Bush die Partnerschaft zu diesem Nachbarland, auch die zu Kanada wurde bei einem USA-Besuch des Premierministers J. Chrétien im selben Monat bekräftigt. Der Zusammenstoß eines amerikanischen Aufklärungsflugzeugs mit einem chinesischen Abfangjäger am 1. 4. 2001 vor der südchinesischen Küste und seine Folgen (Tod des chinesischen Piloten, zeitweises Festhalten der notgelandeten amerikanischen Besatzung und längere Beschlagnahme der amerikanischen Maschine auf Hainan) hatten wochenlange Spannungen zwischen den USA und der VR China zur Folge. Dennoch konnten sich die beiden Staaten bereits im Juni 2001 über eine amerikanische Zustimmung zum WTO-Beitritt der VR China einigen.

Nachdem sich die USA noch in der zweiten Hälfte des Jahres 2000 um weitere Schritte zur Beilegung des Nahostkonflikts bemüht hatten, aber nach dem Scheitern des Gipfeltreffens von Camp David (Juli 2000) eine erneute Eskalation der palästinensisch-israelischen Auseinandersetzungen hinnehmen mussten (ab Ende September neue Intifada im Gazastreifen und Westjordanland), ließ es die Regierung Bush zunächst an diplomatischen Initiativen im Nahen Osten fehlen. Erst im Juni 2001 übte sie politischen Druck auf Israel und die Palästinenser aus mit dem Ziel der Beendigung der Gewalt und der Wiederaufnahme von Gesprächen (»Tenet-Plan«), was aber zunächst weitgehend folgenlos blieb. Nach arabischer Auffassung blieb die amerikanische Nahostpolitik weiterhin zu stark auf die Interessen Israels orientiert. Auf wiederholte Kritik stieß auch in Europa die von Bush praktizierte »America First«-Politik (u. a. Ablehnung eines Internationalen Strafgerichtshofes und des für den Klimaschutz wichtigen Kyōto-Protokolls, wieder stärkere Fokussierung der amerikanischen Energiepolitik auf die Nutzung von Atomkraft und Pläne zur Erschließung neuer Ölfelder in einem Naturschutzgebiet von Alaska).

Am Vormittag des 11. 9. 2001 wurden die USA von den bislang verheerendsten Terroranschlägen ihrer Geschichte überrascht. Selbstmordattentäter lenkten zwei zuvor entführte amerikanische Passagierflugzeuge als »fliegende Bomben« in die Türme des New Yorker World Trade Center, die später in sich zusammenstürzten und Tausende von Opfern unter sich begruben (etwa 2 800 Tote; frühere Schätzungen lagen wesentlich höher); ein weiteres gekidnapptes Verkehrsflugzeug wurde gezielt über dem Pentagon bei Washington (D. C.) zum Absturz gebracht und zerstörte Teile des Verteidigungsministeriums (nach offiziellen Angaben 189 Tote und Vermisste). Ein viertes von Luftpiraten entführtes Flugzeug, dessen Ziel vermutlich das Weiße Haus, das Kapitol oder Camp David war, stürzte bei Pittsburgh ab (die Gegenwehr von Passagieren hinderte die Luftpiraten an der Erreichung ihres Ziels).

Diese massiven Angriffe auf wirtschaftliche, militärische und politische Machtzentren der USA, die das gesamte öffentliche Leben in New York und Washington (D. C.) zeitweise paralysierten (Verhängung des Ausnahmezustandes über beide Städte, mehrtägige Schließung der amerikanischen Börse, zeitweiliges Flugverbot über den USA) und die ganze amerikanische Nation vorübergehend lähmten, offenbarten die Verwundbarkeit der einzig verbliebenen Weltmacht durch terroristische Angriffe. Als eine unmittelbare Folge des Terrorschocks und von Kriegsbefürchtungen brachen an den Börsen weltweit vorübergehend die Kurse ein. Präsident Bush, der die Anschlagserie als »nationale Tragödie« und »Kriegsakt« wertete, sicherte eine unerbittliche Verfolgung und Bestrafung der für die Terrorattacken Verantwortlichen zu. Die Anschläge lösten internationale Betroffenheit aus, führten zu raschen Solidaritätsbekundungen der Verbündeten der USA und erstmals in der Geschichte der NATO zum Ausrufen des Bündnisfalls (2. 10. 2001).

Auch Russland und die VR China boten umgehend ihre Unterstützung bei der Eindämmung des (inzwischen zahlreiche Staaten bedrohenden, global agierenden) Terrorismus an. Bis zum 14. 9. 2001 ermächtigten beide Kammern des US-Kongresses Präsident Bush, »alle notwendige und angemessene Gewalt gegen jene Nationen, Organisationen oder Personen anzuwenden«, die die terroristischen Anschläge geplant, unterstützt und begangen haben; 40 Mrd. $ wurden für den Wiederaufbau und den Kampf gegen den Terrorismus bewilligt. Bush rief den nationalen Notstand aus und stimmte der Mobilmachung von bis zu 50 000 Reservisten zu. Während das FBI und weitere amerikanische Sicherheitsbehörden die Fahndung nach Beteiligten an der Anschlagserie aufnahmen (Verhaftung von Verdächtigen, eine wichtige Spur der Attentäter führte auch nach Deutschland) und Schutzmaßnahmen gegen mögliche weitere Terroranschläge einleiteten, liefen die Vorbereitungen für eine Militäraktion an, zunächst unter der Operationsbezeichnung »Infinite Justice« (»Grenzenlose Gerechtigkeit«), nach Protesten islamischer Länder Ende September 2001 in »Enduring Freedom« (»Dauerhafte Freiheit«) geändert.

Als Hauptschuldigen der verheerenden Anschläge benannte die US-Regierung den an der Spitze eines terroristischen Netzwerkes (islamistische Geheimorganisation »al-Qaida«) stehenden Extremisten Osama Bin Laden und kündigte an, dafür Beweise vorzulegen. An das Talibanregime in Afghanistan, das Bin Laden seit 1996 Unterschlupf gewährte, erging eine ultimative Aufforderung zu dessen sofortiger bedingungsloser Auslieferung und zur Schließung aller terroristischen Ausbildungslager; die Taliban lehnten aber – trotz des forcierten amerikanischen Militäraufmarsches in der Region – zunächst ab und erklärten sich später lediglich dazu bereit, den seit Jahren von den USA als Terroristen gesuchten und unter Anklage gestellten Bin Laden zum freiwilligen Verlassen des Landes aufzufordern; zugleich drohten sie den USA und allen eine amerikanische Militäraktion unterstützenden Nachbarstaaten mit dem »Heiligen Krieg«. US-Präsident Bush kündigte in einer Rede vor dem Kongress am 20. 9. 2001 einen »langen Feldzug« gegen den internationalen Terrorismus an, der verlustreich werden könne und nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch, juristisch, geheimdienstlich, wirtschaftlich und mit allen anderen zur Verfügung stehenden Mitteln geführt werden müsse; er appellierte an alle Staaten, sich einer umfassenden Allianz gegen Terrorismus aufseiten der USA anzuschließen (»Entweder Sie sind mit uns oder mit den Terroristen«).

Parallel zu den massiven Vorbereitungen einer amerikanischen Militäraktion (Verlegung von Kriegsschiffen in den Persischen Golf, Stationierung von Kampfflugzeugen in der Region, des Weiteren Aufmarsch von Spezialeinheiten und Truppen an der Grenze zu Afghanistan) unternahm Außenminister Powell zahlreiche Initiativen zur diplomatischen Absicherung einer breiten Antiterrorallianz (u. a. enge Zusammenarbeit mit dem ursprünglich die Taliban stützenden Pakistan, ferner Einigung mit arabischen und mittelasiatischen Ländern). Die USA und verschiedene europäische Staaten ließen die Konten von mutmaßlichen Terroristen sowie radikalislamischen Organisationen sperren; zugleich suchte die amerikanische Regierung wieder verstärkt Kontakt zur afghanischen Opposition.

Gegen einen amerikanischen Militärschlag richteten sich Ende September 2001 erste Friedenskundgebungen und Demonstrationen in den USA und verschiedenen europäischen Staaten. Vor allem aber sahen sich die USA bald heftigen antiamerikanischen Protesten islamistischer Aktivisten in Indonesien, Malaysia und besonders in Pakistan ausgesetzt, dessen Militärmachthaber P. Musharraf den Amerikanern Unterstützung für ihre Antiterroraktion (allerdings unter Ausklammerung einer militärischen Involvierung) zugesichert hatte, wofür sämtliche früheren US-Embargomaßnahmen aufgehoben wurden. Am 28. 9. 2001 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einstimmig eine (von den USA begrüßte) Resolution, die alle Mitglieder der Weltorganisation zu umfassenden Maßnahmen der Terrorbekämpfung verpflichtet (Ächtung von Terroristen, Androhung von Sanktionen bis hin zu militärischer Gewalt bei Verstoß dagegen).

Am 7. 10. 2001 leiteten amerikanisch-britische Luftangriffe, die sich besonders gegen Kabul, die Talibanhochburg Kandahar und Jalalabad richteten, eine Militäraktion in Afghanistan ein, später kam es dort auch zu ersten Bodeneinsätzen von Spezialeinheiten. Fast zeitgleich begann die afghanische »Nordallianz« eine seit Ende Oktober direkt von den USA (durch Luftschläge gegen Talibanstellungen) unterstützte Offensive. Zunehmende Kritik richtete sich gegen die wochenlange Bombardierung afghanischer Städte, die nicht nur zu einer Verstärkung des Flüchtlingselends führte, sondern auch immer mehr zivile Opfer in der afghanischen Bevölkerung forderte, da wiederholt Wohngebiete, Versorgungseinrichtungen und selbst Depots von Hilfsorganisationen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Bis Dezember 2001 waren die Taliban und die Truppen der »al-Qaida« weitgehend besiegt (am 22. 12. Amtsaufnahme einer mit UN-Hilfe zustande gekommenen afghanischen Interimsregierung); amerikanische Einheiten suchten weiterhin nach dem flüchtigen, bis dahin noch nicht gefassten Terroristenführer Bin Laden. Im Januar 2002 sicherten die USA Afghanistan einen finanziellen Kredit und Unterstützung beim Aufbau einer nationalen Armee zu, lehnten aber eine direkte Beteiligung an der im Land stationierten internationalen Friedenstruppe ab.

Eine neue innenpolitische Bedrohung erwuchs den USA in Form eines »Bioterrorismus«, als es seit Oktober 2001 in zahlreichen öffentlichen Einrichtungen und Regierungsstellen zu (von zunächst unbekannten Tätern unternommenen) Anschlägen mit Milzbranderregern kam. Am 25. 10. 2001 wurde durch den amerikanischen Kongress ein umfangreiches Antiterror-Maßnahmeprogramm verabschiedet.

Für innenpolitisches Aufsehen sorgten die Umstände des Konkurses des Energiegroßkonzerns Enron Corp. im Dezember 2001, wobei besonders die Beziehungen der Regierung Bush zu diesem Unternehmen (einem der wichtigsten Wahlkampfspender der Republikaner) hinterfragt wurden. Das erschütterte Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der deregulierten Marktwirtschaft und in die Organe der Finanzaufsicht wurde zusätzlich belastet durch die Verwicklung weiterer angesehener Unternehmen in eine Serie von Finanzskandalen (z. B. im Juni 2002 bekannt gewordene umfangreiche Bilanzfälschungen beim zweitgrößten US-amerikanischen Telekommunikationskonzern WorldCom Inc., der ebenfalls Insolvenz anmelden musste). Präsident Bush kündigte eine Verschärfung der Strafen für Wirtschaftsdelikte und andere Reformmaßnahmen an (u. a. im Juli 2002 Verabschiedung eines Gesetzes zur Neuregelung des Bilanzrechts), wurde aber selbst vonseiten der demokratischen Opposition mit dem Vorwurf eines Insidergeschäfts im Jahr 1990 konfrontiert.

Außenpolitisch einigten sich Russland und die USA bei einem Treffen ihrer Präsidenten im November 2001 auf die Absicht zur Reduzierung der beiderseitigen Atomwaffenarsenale um jeweils zwei Drittel in den nachfolgenden zehn Jahren. Neue Verstimmung ins russisch-amerikanische Verhältnis brachte aber am 13. 12. 2001 die einseitige Kündigung des ABM-Vertrags durch die USA zur Realisierung ihrer Pläne für die Errichtung einer Raketenabwehr. Im Januar 2002 kündigte Präsident Bush sein Vorhaben einer drastischen Erhöhung des Verteidigungshaushalts und einer Verdopplung der Ausgaben für die innere Sicherheit an. Auf internationale Kritik stieß die Behandlung der seit Januar 2002 von Afghanistan auf den amerikanischen Militärstützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba verbrachten Taliban- und »al-Qaida«-Kämpfer, denen die US-Regierung zunächst keinen Status als Kriegsgefangene zuerkennen wollte. Angesichts neuer gefährlicher Eskalationen im Nahostkonflikt und im indisch-pakistanischen Streit um Kaschmir im ersten Halbjahr 2002 bemühte sich die US-Diplomatie um Vermittlung. Anlässlich der Unterzeichnung des im Vorjahr vereinbarten Kernwaffenabrüstungsabkommens am 24. 5. 2002 in Moskau bekräftigte Präsident Bush das amerikanische Ziel einer »strategischen Partnerschaft« mit Russland, der auch die Neubildung des am 28. 5. 2002 in Italien konstituierten NATO-Russland-Rates diente.

Im Juni 2002 verkündete Präsident Bush im Rahmen einer grundlegenden Reform der amerikanischen Sicherheitsbehörden Pläne zur Schaffung eines »Department of Homeland Security« (Ministerium für Heimatschutz; Antiterrorkrieg). Nach vorangegangener Zustimmung durch beide Häuser des Kongresses unterzeichnete er am 25. 11. 2002 das Gesetz zur Gründung dieses Superministeriums (rund 170 000 Mitarbeiter, Etat von etwa 40 Mrd. US-$). Zuvor hatte Bush mit dem von ihm im September 2002 verabschiedeten Dokument zur »Nationalen Sicherheitsstrategie« auch eine tief greifende Neuordnung der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik vorgenommen (Strategiewechsel von der defensiven Abschreckung zu einem mit der neuen Bedrohungslage begründeten Konzept militärischer Präventivschläge).

Bei den Kongresswahlen am 5. 11. 2002 konnte die Republikanische Partei ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus ausbauen und auch wieder die Kontrolle über den Senat gewinnen, was die innen- und außenpolitische Position von Präsident Bush deutlich stärkte.

Hinsichtlich der NATO erklärte Bush zum Ziel, diese zu einer Allianz gegen den Terrorismus umzuformen. Auf Vorschlag der USA beschloss der Prager NATO-Gipfel im November 2002 die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe (Nato Response Force, Abkürzung NRF; Dienstaufnahme für 2004, volle Einsatzbereitschaft für 2006 geplant); zudem stimmte man dort auch für die besonders von den USA unterstützte Erweiterung der NATO (Einladung an sieben Staaten, Mitglied zu werden).

Im Rahmen einer Weiterführung ihrer Antiterrorstrategie fasste die amerikanische Regierung Interventionen in sogenannten »Schurkenstaaten« und anderen Problemregionen ins Auge. Umstritten blieb dabei die Zuordnung einzelner Länder (insbesondere Iraks, Irans und Nord-Koreas) zu einer »Achse des Bösen«, die man des Strebens nach Massenvernichtungswaffen und einer Unterstützung terroristischer Organisationen beschuldigte; in diesem Zusammenhang wuchsen besonders die Spannungen zum Regime Saddam Husains. Erwägungen der Bush-Administration, militärisch im Irak zu intervenieren (insbesondere Überlegungen, dies auch ohne vorherige UN-Resolution und gegebenenfalls im Alleingang zu tun), stießen auf Kritik und z. T. Ablehnung in der Antiterrorkoalition und führten ebenso innenpolitisch zu Diskussionen und Protesten.

Am 8. 11. 2002 erwirkten die USA mit besonderer Unterstützung Großbritanniens die Annahme einer neuen, verschärften Irak-Resolution (1441) durch den UN-Sicherheitsrat, die die irakische Regierung wenige Tage danach akzeptierte (am 27. 11. 2002 Beginn neuer UN-Waffeninspektionen). Wachsende Probleme belasteten auch das Verhältnis zu Nord-Korea, das nach amerikanischen Angaben im Oktober 2002 überraschend eingestand, vertragswidrig an einem Atomprogramm zu arbeiten, und die USA aufforderte, einen Nichtangriffspakt abzuschließen. Als dies von den USA abgelehnt wurde, verschärfte sich trotz des amerikanischen Angebots einer diplomatischen Lösung der Krise diese zusehends (erst im April 2003 unter Vermittlung Chinas Wiederaufnahme von Gesprächen). Auch die Beziehungen zu Iran verschlechterten sich deutlich, als dieses im Februar 2003 eine Ausweitung seines Atomprogramms bekannt gab.

Im Januar 2003 kündigte Präsident Bush ein Konjunkturprogramm (niedrigere Einkommensteuertarife, Reduzierung der Dividendenbesteuerung, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen) zur Belebung der amerikanischen Wirtschaft mit einem geplanten Volumen von rund 700 Mrd. $ über einen Zeitraum von zehn Jahren an. Mit der Explosion der Raumfähre »Columbia« am 1. 2. 2003 kam es nach der Challengerkatastrophe von 1986 zu einem weiteren Rückschlag des amerikanischen Raumfahrtprogramms. Am 27. 2. 2003 wurde ein Entwurf des Architekten Daniel Libeskind zur Wiederbebauung des Areals von »Ground Zero« in New York angenommen.

Verlauf und Resultate der Waffeninspektionen im Irak stellte die Bush-Administration zunehmend infrage; so lastete man dem Regime Saddam Husains (nach Aussagen des Außenministers Powell am 5. 2. 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat) weiterhin an, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und diese vor den Inspektoren zu verbergen sowie Verbindungen zur Terrororganisation »al-Qaida« zu unterhalten. Über die Fortsetzung der UNMOVIC-Mission, die Feststellung von Verstößen gegen die UN-Resolution 1441 und die Verabschiedung einer neuen kriegslegitimierenden Resolution durch den Sicherheitsrat kam es in der Folge zu tiefer gehenden Differenzen v. a. mit den Regierungen Frankreichs und Deutschlands, auch das Verhältnis zu Russland kühlte sich in diesem Zusammenhang zeitweise ab. Der amerikanische Truppenaufmarsch am Golf wurde forciert (bis März 2003 etwa 230 000 Soldaten, davon 150 000 in Kuwait), wobei das türkische Parlament Anfang März 2003 die Stationierung von rund 60 000 US-Soldaten an der Grenze zu Nordirak ablehnte. Nach dem Scheitern mehrerer Resolutionsentwürfe (Ankündigung eines Vetos durch Frankreich und Russland) stellte Präsident Bush am 17. 3. 2003 Saddam Husain ein Ultimatum, das diesen und seine Söhne aufforderte, zur Vermeidung eines Militärschlags den Irak binnen 48 Stunden zu verlassen. Nach Ablauf der Frist begann am 20. 3. 2003 mit Zustimmung des Kongresses eine von US-Streitkräften geführte Allianz (der sich neben den etwa 45 000 britischen Soldaten auch kleinere australische und polnische Truppenkontingente anschlossen) eine Militärintervention in Irak; Präsident Bush berief sich dabei in Ermangelung eines UN-Mandats auf die in der Resolution 1441 vorgesehenen »ernsthaften Konsequenzen«. Zu Zielen des von weltweiten Protesten und Demonstrationen begleiteten Kriegs wurden die Beseitigung der irakischen Massenvernichtungswaffen, die Ablösung des Regimes von Saddam Husain und die Demokratisierung des Landes erklärt (Kritiker wiesen auf amerikanische Interessen an einer generellen politischen Neuordnung der erdölreichen Region unter US-Hegemonie hin). Die Kosten der Operation »Iraqi Freedom« veranschlagte Präsident Bush zunächst mit 75 Mrd. US-$ (vom amerikanischen Kongress im April 2003 bewilligt). Bei dem von massiven Luftangriffen begleiteten Vormarsch der alliierten Truppen (Zentralkommando in Katar) kam es v. a. in den Städten zu heftigem Widerstand irakischer Verbände; trotz eines überwiegenden Einsatzes von »Präzisionswaffen« gegen v. a. militärische Ziele forderten die Luftbombardements auch zahlreiche Opfer unter der irakischen Zivilbevölkerung. Mit dem Fall Bagdads am 9. 4. 2003 und der Einnahme Tikrits, der letzten großen irakischen Stadt, am 14. 4. 2003 fand die kurze alliierte Militäraktion im Wesentlichen ihr Ende, das Präsident Bush am 1. 5. 2003 offiziell erklärte. Im Hinblick auf die Gestaltung der irakischen Nachkriegsordnung beanspruchten die USA eine Führungsposition, billigten der UNO aber eine »vitale« Rolle beim Wiederaufbau zu. Mit der Verabschiedung der UN-Resolution 1483 am 22. 5. 2003 erreichte die amerikanische Regierung eine weitestgehende Aufhebung der langjährigen Handelssanktionen gegen den Irak sowie die formale Anerkennung als Besatzungsmacht und sie erhielt die Verfügungsgewalt über die irakische Ölförderung. Amerikanische Nachkriegsplanungen für Irak sahen im Weiteren die Ablösung der Interventionstruppen durch eine internationale Stabilisierungstruppe vor (Untergliederung des Landes in mehrere Militärzonen). Die intensive Suche amerikanischer Inspekteure nach irakischen Massenvernichtungswaffen blieb ohne Ergebnis, was in den USA eine innenpolitische Debatte über die Kriegslegitimation zur Folge hatte. Erst im Herbst 2004 konstatierte die amerikanische Regierung schließlich offiziell, dass Irak vor dem Krieg auch über keine Verbindungen zu al-Qaida verfügte.

Nach dem Ende des Irakkriegs drängte Präsident Bush Israel und die Palästinenser zur Annahme eines internationalen Friedensplans (»Roadmap«) und initiierte ein Gipfeltreffen Anfang Juni 2003 in Akaba (Jordanien); diese Vermittlungsmission wurde aber durch eine erneute Verschärfung des Konflikts (ab August 2003) wieder infrage gestellt.

Am 14. 8. 2003 waren große Teile der USA, aber auch Gebiete in Kanada durch eine Havarie des veralteten Energienetzes vom bislang größten Stromausfall in der nordamerikanischen Geschichte betroffen (zeitweises Chaos in New York, in verschiedenen anderen amerikanischen Großstädten vorübergehender Zusammenbruch des Verkehrs).

Die in Peking Ende August 2003 durchgeführten amerikanisch-nordkoreanischen Verhandlungen zur Beilegung des Streits um das nordkoreanische Atomprogramm blieben trotz zusätzlicher Beteiligung Chinas, Japans, Russlands und Süd-Koreas (deshalb »Sechsergespräche«) erfolglos. Die wachsenden finanziellen Probleme und v. a. sicherheitspolitischen Schwierigkeiten der USA als Besatzungsmacht in Irak (seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen starben dort z. B. wesentlich mehr amerikanische Soldaten als während der eigentlichen Militäraktion) veranlassten die amerikanische Regierung Anfang September 2003, die UNO um eine Verstärkung ihres Engagements bei Ausweitung ihres Mandats zu ersuchen. Ende April 2004 führte das Bekanntwerden von Misshandlungen irakischer Häftlinge in amerikanisch verwalteten Gefängnissen (v. a. in Abu Ghraib bei Bagdad) zu heftigen innenpolitischen Kontroversen. Die nach wie vor prekäre Sicherheitslage in Irak veranlasste die amerikanische Regierung entgegen ursprünglichen Planungen zur Beibehaltung einer weiterhin hohen Truppenstärke von 138 000 Soldaten.

Bei den zeitgleich durchgeführten Kongresswahlen bauten die Republikaner in beiden Häusern ihre Mehrheit aus. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit (ab 20. 1. 2005), in die Bush mit einem personell stark veränderten Kabinett eintrat (u. a. Wechsel im Amt des Außenministers von Powell zu Condoleezza Rice, allerdings erneute Bestätigung von Verteidigungsminister Rumsfeld), musste er sich einer der Irak-Politk zunehmend kritisch gegenüber stehenden amerikanischen Öffentlichkeit stellen, in der er stark an Zustimmung eingebüßt hatte. Innenpolitisch spielten u. a. Probleme der inneren Sicherheit (Verlängerung des »Patriot Act«, März 2006), die wirtschaftliche Lage (2004 Rekordhaushaltsdefizit von 413 Mrd. $), umstrittene Pläne für eine Änderung des Einwanderungs-Gesetzes (in den USA etwa 12 Mio. illegaler Immigranten, die am 1. 5. 2006 erstmals mit Großkundgebungen auf ihre Situation hinwiesen) eine zentrale Rolle. Kritik richtete sich gegen das unzureichende Handeln der Behörden nach der Wirbelsturmkatastrophe Ende August 2005 (Verwüstung von New Orleans und Küstenorten in Alabama sowie Mississippi; mehr als 1 600 Tote).

Bei den Kongresswahlen am 7. 11. 2006 verlor die Republikanische Partei in beiden Häusern ihre Mehrheit an die Demokraten, die im Wahlkampf mit dem Slogan »A New Direction for America« aufgetreten waren. Mit der bisherigen demokratischen Fraktionsvorsitzenden Nancy Pelosi (* 1940) wurde erstmals eine Frau für das Amt des »Speaker of the House« (»Sprecher« des Repräsentantenhauses) nominiert. Als Reaktion auf die heftige Kritik an der Irakpolitik entließ Präsident Bush am 8. 11. 2006 den seit Längerem umstrittenen und für die Fehlschläge im Irak verantwortlich gemachten Verteidigungsminister Rumsfeld; zu seinem Amtsnachfolger wurde der frühere CIA-Chef Robert Michael Gates (* 1943) designiert.

Außen- und sicherheitspolitisch nahm Außenministerin Rice eine vorsichtige Kurskorrektur gegenüber den Verbündeten vor, indem sie stärker Kooperation und Konsultation betrieb. Durch ein mit Indien am 2. 3. 2006 geschlossenes Atomabkommen rückten die USA von ihrem seit 1974 aufrechterhaltenen nuklearpolitischen Boykott gegen dieses Land ab. In dem sich 2005/06 verschärfenden Konflikt mit Iran um dessen Atomprogramm suchten die USA eine mögliche Entwicklung iranischer Kernwaffen zu verhindern (u. a. durch eine gemeinsame Offerte der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und Deutschlands vom 6. 6. 2006).

Artikel über interessante Themen der USA